Schulangst, Mobbing und Schicksalsschläge von Schülerinnen und Schülern bestimmen den Alltag von Schulsozialarbeitern. Auch an der Dischinger Egauschule. In der vergangenen Woche trat die örtliche Schulpädagogin Bianca Sträßle mit dem Wunsch vor den Gemeinderat, Platz und Ressourcen für eine weitere Stelle zu schaffen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden sei die Dischinger Schule in Bezug auf pädagogische Arbeitskräfte abgeschlagenes Schlusslicht:
Der Wunsch einer weiteren Arbeitskraft
438 Schülerinnen und Schüler zählt die Dischinger Egauschule im laufenden Schuljahr. Neben 36 Lehrerinnen und Lehrern gibt es jedoch nur eine Schulsozialarbeiterin: Bianca Sträßle. „Ich bin nur eine 60-Prozent-Kraft. Das reicht für die Flut an Beratungsgesprächen und pädagogischer Arbeit für so viele Schüler einfach nicht“, sagte Sträßle vor dem Gemeinderat. Laut der Pädagogin habe sie im laufenden Schuljahr bereits mehr als 100 Beratungsgespräche geführt. Viele davon führten auch zu fortlaufenden pädagogischen Vorhaben.
Ich bin nur eine 60-Prozent-Kraft. Das reicht für die Flut an Beratungsgesprächen und pädagogischer Arbeit für so viele Schüler einfach nicht.
Bianca Sträßle, über ihre Stelle an der Dischinger Egauschule.
Der größte Punkt in Sträßles Vortrag war die Stellenbesetzung in anderen Gemeinden: „In Nattheim gibt es für 220 Schüler drei Pädagoginnen mit einer Arbeitskraft von 110 Prozent. Gerstetten hat ungefähr 600 Schüler und 200 Prozent Arbeitskraft. Da hinken wir mit gerade einmal 60 Prozent deutlich hinterher.“ An der Egauschule gebe es zudem im Falle eines Ausfalls der Sozialarbeiterin keine Vertretung: „Da bleibt alles liegen, wenn ich mal fehlen sollte. Das erhöht den Leistungsdruck auf einen selbst natürlich auch enorm.“
Der Wunsch der Schulsozialarbeiterin ist klar: Wenn möglich, sollte eine zweite Kraft angestellt werden. Im besten Falle zu 100 Prozent. „Ich weiß, dass das etwas unrealistisch ist, aber es wäre die einzige Möglichkeit, den Kindern und ihren Problemen in und außerhalb der Schule gerecht zu werden“, sagt Sträßle und berichtet, dass sie für die meisten Schülerinnen und Schüler auch für private Probleme die erste Anlaufstelle nach den Eltern sei.
Einblick in die tägliche Arbeit an der Egauschule
Der Bedarf an sozialer Arbeit an der Egauschule sei vorwiegend durch steigende Schülerzahlen in den vergangenen sechs Jahren gestiegen. Zudem werden laut Sträßle die Konflikte immer komplexer: „Es sind viele multifaktorielle Geschichten. Einmal mehr war dort auch das Homeschooling in der Corona-Zeit ein Katalysator für die Probleme der Kinder.“ Manche Fälle ziehen sich teilweise über mehrere Jahre. Normale „Schulhofstreitereien“ gäbe es nur noch kaum.
Neben diesen langwierigen Fällen, die Sträßle stets im Hinterkopf haben müsse, bietet die Sozialarbeiterin einmal pro Woche den „Klassenrat“ an, bei dem unter anderem Sozialkompetenzen, Konfliktfähigkeit und ein Demokratieverständnis erlernt werden sollen. Ebenso bietet die Pädagogin häufiger Elternabende an, die von Medienkompetenz bis hin zur Hausaufgabenunterstützung der Eltern handeln. „Neben den Beratungsgesprächen kommen auch unzählige Gespräche 'zwischen Tür und Angel' dazu“, so Sträßle.
Besonders positiv beleuchtet Sträßle hingegen den Umgang im Kollegium. Lehrerinnen und Lehrer verweisen häufig bei aufkommenden Themen auf die Schulsozialarbeiterin und kommen auch selbst auf sie zu. Dieses Angebot werde von Schülerinnen und Schülern auch gerne angenommen: „Nicht nur mir, sondern auch den Schülern würde es enorm helfen, jemanden an meiner Seite zu haben.“