Mehrere Wochen hatte Thomas Junginger inzwischen Zeit, um das Ergebnis der Gerstetter Bürgermeisterwahl zu verarbeiten, bei der Matthias Heisler gewählt und Junginger Dritter wurde. Doch auch andere haben sich in dieser Zeit Gedanken zum Wahlkampf und zur Wahl gemacht: In der jüngsten Sitzung des Gerstetter Gemeinderats am vergangenen Dienstagabend erklärte Christa Rapp als Sprecherin für die Fraktion der Freien Wählervereinigung (FWV), dass Thomas Junginger aus dieser ausgeschlossen wird. Das hätten die Mitglieder der Fraktion „mit großer Mehrheit“ beschlossen.
Drei Gründe brachte Rapp für diesen Schritt vor: Zunächst einmal habe Junginger während der Kandidatenvorstellung in Dettingen öffentlich über die geplante Arztpraxis in Gerstetten gesprochen, obwohl das Thema zu jenem Zeitpunkt noch nichtöffentlich im Gemeinderat behandelt wurde.
Zudem habe Junginger „in allen vier Kandidatenvorstellungen die Arbeit der Verwaltung und des Gemeinderats massiv herabgewürdigt“. Laut Rapp hätten Verwaltung und Gemeinderat in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet und eine solche Kritik nicht verdient.
Schließlich sei das Verhalten von Junginger bei den beiden Kandidatenvorstellungen in Dettingen gegenüber Matthias Heisler „respektlos und in Teilen unkorrekt“ gewesen. Das spiegele sich auch in dem gegen Ende des Wahlkampfs von Junginger verteilten Flugblatt über die Zukunft des Gerstetter Schulzentrums wider.
Man habe Junginger, so Rapp weiter, auf seinen Antrag hin in die Fraktion aufgenommen, damit er über die Arbeit des Ältestenrats informiert werden und Mitglied in verschiedenen Gremien sein konnte. Das von Junginger dargelegte Verhalten sei aber mit der Ausrichtung der Freien Wählervereinigung nicht vereinbar, weshalb man sich für den Ausschluss aus der Fraktion entschieden habe.
Junginger wurde nicht über Rauswurf informiert
Thomas Junginger blieb eine direkte Reaktion im Rat verwehrt, weil er bei der jüngsten Sitzung nicht anwesend war. Auf Nachfrage zeigt er sich überrascht: „Ich bin vorher nicht informiert worden“, so Junginger. Auch über die Vorwürfe habe niemand mit ihm gesprochen, er erfahre darüber erst aus der Presseanfrage.
Nun möchte er sich zu ihnen äußern: Über eine mögliche Arztpraxis in Dettingen hat Junginger bei der Kandidatenvorstellung laut eigener Aussage nur gesagt, dass er dafür ist, zeitnah einen Arzt in Dettingen anzusiedeln, jedoch keine Details aus nichtöffentlicher Sitzung besprochen.
Um das zu belegen, zitiert er aus seinem Redemanuskript: „In Dettingen liegen mir die Sanierung des Rathauses und die Ansiedelung einer Allgemeinarzt-Praxis besonders am Herzen! Tatsächlich hat dazu vor ein paar Wochen schon der Gemeinderat getagt, jedoch darf ich aus der nichtöffentlichen Sitzung aufgrund der Vorgaben der Gemeindeordnung keine Details nennen. Ich bin allerdings positiv optimistisch, dass wir sehr zeitnah eine sehr gute Lösung erzielen.“
Nur demokratischen Diskurs geführt?
Junginger gibt bereitwillig zu, dass er Missstände in der Gemeindeverwaltung angesprochen hat. „Man muss doch anerkennen, dass es Probleme gegeben hat.“ Gerade im Wahlkampf sei das wichtig. Den Gemeinderat habe er jedoch nicht herabgewürdigt, sondern immer dafür gekämpft, dass dieser noch mehr Möglichkeiten bekommt, zum Beispiel um in engeren Austausch mit der Bürgerschaft zu treten. „Ich wollte mehr Demokratie, nicht weniger.“
Seine Auseinandersetzung mit Mathias Heisler über das Gerstetter Schulzentrum sieht er nicht als respektlos, sondern als normalen, demokratischen Diskurs. Er sei davon ausgegangen, dass er sich mit einem anderen Bewerber über inhaltliche Unterschiede auseinandersetzen dürfe. Sein Flugblatt zu diesem Thema enthalte keine Beleidigung und sei nur entstanden, weil Heisler die Diskussion um das Schulzentrum auch nach „Richtigstellung“ durch Junginger noch weiterführen wollte.
Auch im Allgemeinen scheint Junginger genug von den Streitigkeiten zu haben: „Die Wahl ist vorbei, und damit eigentlich auch dieses Thema, aber manche wollen es nicht ruhen lassen.“ Die Entscheidung der FWV-Fraktion respektiere und akzeptiere er. „Trotzdem ist es schade, dass mein Engagement nicht anders gewürdigt wird.“