Schon von weitem ist das Baugerüst um den 27 Meter hohen Kirchturm zu sehen: Seit mehreren Monaten ist die Sanierung dieses Teils der Heldenfinger Heilig-Kreuz-Kirche im Gange. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Heuchlingen-Heldenfingen, Rolf Wachter, erwartet den Abschluss der Arbeiten bis spätestens zur Karwoche.
Die Heldenfinger Kirche stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und wurde 1828 vergrößert. Damals entstand auch der heutige Turm auf der Ostseite, den Wachter als „Mittelding“ aus Turm und Dachreiter beschreibt, da er nicht bis unten gemauert ist, sondern im Kircheninneren auf zwei Stützen bei der Orgelempore und nur nach außen auf dem Mauerwerk des Ostgiebels ruht.
Dass es mit der Spitze des Kirchturms ein Problem gibt, sei aufmerksamen Kirchgängern vor einiger Zeit aufgefallen, schildert der Pfarrer: Das geschmiedete Eisenkreuz auf der Spitze stand etwas schief. „Die Suche nach der Ursache war eine regelrechte Detektivarbeit.“ Da es von innen keinen Zugang in den Dachstuhl gab, habe ein Zimmermann ein Loch in die Decke des Glockenstuhls sägen müssen – ein Schaden sei aber nicht erkennbar geworden.
Eindringendes Wasser schädigte die Holzkonstruktion in der Turmspitze
Bei der Untersuchung von außen mittels eines Hubsteigers konnte dann festgestellt werden, dass wohl seit Jahren Wasser in die mit Kupferplatten verkleidete Holzkonstruktion der Turmspitze eindrang. Diese Feuchtigkeit schädigte das Holz und den zentralen, senkrechten Balken – den sogenannten Kaiserstiel. Morsch geworden, konnte er das etwa zweieinhalb Meter lange Kreuz nicht mehr halten. „Es war klar, dass das Kreuz so schnell wie möglich runtermuss, bevor es abstürzt“, so Jürgen Melzer, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, der mit vor Ort dabei war.

Nach der Einrüstung wurden das Kreuz samt der daran angebrachten Wetterfahne, die darunter befindliche Kupferkugel und die Verkleidungsplatten abgenommen. Fachleute restaurierten dann an der Dachkonstruktion den Kaiserstiel sowie weitere Balken. Entfernt wurden aus Denkmalschutzgründen nur die schadhaften Holzteile und auf einer Länge von bis zu drei Metern durch neue Stücke ersetzt. Mittlerweile sind auch die Kupferplatten, die teils ebenfalls ergänzt werden mussten, auf der Außenseite wieder angebracht.
Ein Dokumentenbehälter aus dem Jahr 1976
Zu einer Entdeckung kam es in der Werkstatt der Dettinger Flaschnerei Kramer bei der Öffnung der aus zwei Hälften bestehenden Kugel mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimeter, berichtet der Pfarrer. Darin befand sich ein rechteckiger Dokumentenbehälter aus Kupfer, der aufgrund seines Inhalts wohl am 14. September 1976 im Zuge der damaligen Komplettsanierung von Turm und Kirchenäußerem geschlossen und eingelegt wurde. Enthalten waren unter anderem ein Haushaltsplan der Kirchengemeinde von 1976, ein Ökumene-Buch, diverse Schriften, eine Gerstetter Gedenkmünze, eine Liste der Arbeiter und ein Exemplar der Heidenheimer Zeitung vom 3. Juli 1976.

„Wir haben entschieden, den Behälter mitsamt Inhalt wieder zu verschließen und erneut in die Kupferkugel einzulegen. Dazu wird dann ein zweiter Behälter mit Dokumenten aus unserer Zeit kommen“, so Wachter. An Unterlagen als Inhalt vorgesehen seien unter anderem ein Baubericht, aktuelle Infos zur Kirchengemeinde und zu Heldenfingen sowie eine neue HZ-Ausgabe. „Wir werden auch einen USB-Stick mit hineinlegen und sind gespannt, ob dieser dann einstmals noch ausgelesen werden kann.“ Und gerade wieder frisch bei der Kirche angeliefert wurde jetzt auch das neu schwarz lackierte Kreuz für die Spitze.
Zum Abschluss der Renovierung stehen Malerarbeiten an
Als Letztes folgen bei der zu Ende gehenden Renovierung der Heilig-Kreuz-Kirche noch die Malerarbeiten, denn der Turm soll einen neuen Anstrich erhalten. Gleiches gilt für die Fassade des Ostgiebels der Heilig-Kreuz-Kirche, bei dem dies dem Pfarrer zufolge in ein paar Jahren ohnehin fällig gewesen wäre und man deshalb das derzeit stehende Gerüst dafür nutzt. „Ob es mit der Fertigstellung bis zur Karwoche klappt, hängt im Wesentlichen vom Wetter ab, ob die Maler durcharbeiten können.“
Bei den Gesamtkosten der Sanierung ging Pfarrer Wachter bis vor kurzem noch von etwa 110.000 Euro aus. Der Löwenanteil von etwa 40.000 Euro entfalle auf das aufgebaute Gerüst für die Zeit von November bis Ende März, im April könnten sich hier noch zusätzliche Mietkosten ergeben.
Mittlerweile rechnet er aber insgesamt mit etwas höheren Ausgaben für die Turmsanierung: „Wahrscheinlich landen wir bei etwa 120.000 Euro.“ Die Steigerung führt Wachter auf einen Mehraufwand bei Holz, Blech und Blitzschutz zurück. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde werde sich dadurch wohl von 45.000 auf etwa 50.000 Euro erhöhen. 30.000 Euro stammen aus der Gebäuderücklage, der Rest aus der allgemeinen Rücklage der Gemeinde, soweit er nicht durch Spenden – bislang etwa 6000 Euro – abgedeckt werden kann. Und den verbleibenden Betrag der Gesamtsumme decken Zuschüsse der evangelischen Landeskirche, des Kirchenbezirks Heidenheim und der Gemeinde Gerstetten.
Die älteste Kirchenglocke und eine berühmte Krippe
Die Heilig-Kreuz-Kirche in Heldenfingen birgt einige Besonderheiten. Neben den Resten mittelalterlicher Fresken im hinteren Teil des Kirchenschiffs ist da in erster Linie die sogenannte Taufglocke zu nennen, die vom Anfang des 14. Jahrhunderts stammt und als älteste Kirchenglocke im Landkreis Heidenheim gilt. Ob sie einst zu einer Vorgängerkirche gehörte oder von einem anderen Ort nach Heldenfingen kam, ist nicht bekannt.
In der vorösterlichen und österlichen Zeit (also auch derzeit) findet sich im Inneren die große Heimat- und Simultankrippe. Sie zeigt vor regional geprägter Kulisse und mit zahlreichen Figuren biblische Szenen, die neben der Weihnachtsgeschichte auch das Leben Jesu und die Passion umfassen.