Innenstadtentwicklung

Erst Rathaus, dann Dienstleistungszentrum: Neuer Planungsansatz nach gescheiterter Ausschreibung

Nachdem im ersten Anlauf kein Projektträger gefunden wurde, hat der Giengener Gemeinderat jetzt einen Richtungswechsel beschlossen: Zuerst soll der zweite Verwaltungssitz an der Marktstraße geplant und gebaut werden. Für den übrigen Bereich will man parallel einen Investor suchen.

Aus der großen Gesamtplanung sollen nun mehrere Abschnitte werden: Der Giengener Gemeinderat hat beschlossen, zunächst ein Planungsbüro für den Neubau des Technischen Rathauses zu suchen. In diesem Gebäude sollen auch Arztpraxen entstehen. In einem weiteren Schritt werden dann die Planungen für ein Dienstleistungszentrum vorangetrieben. Dabei will die Stadtverwaltung die verbleibenden Flächen an einen Investor verkaufen, der ein überzeugendes Konzept für das zentral gelegene Quartier vorlegt.

Die Idee eines Dienstleistungszentrums mitsamt einem zweiten Verwaltungssitz wird in Giengen schon seit mehreren Jahren diskutiert. Zum einen soll die bisher auf etliche Standorte verteilte Verwaltung im historischen Rathaus und dem Neubau direkt gegenüber konzentriert werden. Außerdem ist vorgesehen, auf dem Areal Flächen für Einzelhandel, Dienstleistung, Arztpraxen und Büros entstehen zu lassen. Auch Wohnungen sollen geschaffen werden. Insgesamt wurden von der Stadt im Bereich Marktstraße, Scharenstetter Straße und Niedere Gasse Grundstücke mit einer Gesamtfläche von rund 2700 Quadratmetern aufgekauft.

Giengen: Rathausneubau wird abgekoppelt

2024 erfolgte bereits eine europaweite Ausschreibung mit dem Ziel, einen Projektträger mit einem passenden Konzept für die Bebauung zu finden, einschließlich des Technischen Rathauses. Dies gelang jedoch nicht. Wie Oberbürgermeister Dieter Henle im Rat erklärte, gab es zwar einen Interessenten mit einem schlüssigen Konzept, entsprechende Kaufpreise für den Erwerb des Technischen Rathauses, das die Stadt nach dem Bau erworben hätte, wurden jedoch nicht vorgelegt. Daher wurde das Ausschreibungsverfahren zunächst aufgehoben.

Während es in dieser Sache nach außen hin ruhig geworden war, suchte sich die Stadtverwaltung im Hintergrund neue externe Hilfe. Fündig wurde man in Form der Stuttgarter Anwaltskanzlei Dolde Mayen & Partner, die unter anderem auf Verwaltungsrecht spezialisiert ist. Die Vorschläge, die dabei erarbeitet wurden, stellte Rechtsanwältin Dr. Tina Bergmann den Stadträtinnen und Stadträten vor.

Im Kern steht der Ansatz, vom bisher geplanten Verkauf des gesamten Areals und Rückkauf des Rathausneubaus abzurücken. Darin sahen die Juristen vermeidbare Risiken. Sie bevorzugen den Ansatz, zunächst das Rathaus zu planen und dann erneut zu prüfen, was im Umfeld noch entstehen soll.

Drei Planungsbüros sollen den Rathausneubau konzipieren

Um für den Verwaltungsbau aus ausreichend vielen Ideen auswählen zu können, sollen drei Planungsbüros Konzepte einreichen und dafür jeweils 25.000 Euro erhalten. Wie Bürgermeister Alexander Fuchs ergänzte, werde die Verwaltung drei Büros auswählen, die nicht nur mit großen Projekten, sondern auch mit Bauen in historischen Altstädten Erfahrung haben. Dabei könnte auch geprüft werden, ob Teile des Bestands erhalten und in die Neubauten integriert werden könnten.

Im Gemeinderat stieß diese Richtungsänderung durchaus auf Gegenliebe. Michael Zirn (CDU-Wählerblockfraktion) wünschte sich, dass der im November 2024 vom Gemeinderat für die Marktstraße beschlossene Gestaltungsrahmenplan auch auf die betroffenen Bereiche von Scharenstetter Straße und Niederer Gasse angewendet wird. Die Leiterin des Baurechts- und Planungsamts, Claudia Schnürle, erwiderte, für diese Bereiche gelte der aktuelle Bebauungsplan. Gravierende Abweichungen vom bisherigen Bestand seien daher nicht möglich.

Liegen die drei Entwürfe vor, muss sich der Gemeinderat zunächst für eine Variante oder auch Elemente aus allen drei Konzepten entscheiden, bevor ein Vergabeverfahren gestartet wird, um einen Generalübernehmer zu finden. Dieses Verfahren soll der Sitzungsvorlage zufolge Ende 2026 abgeschlossen sein. Frühestens Mitte 2027 soll es dann mit den Bauarbeiten losgehen, die Fertigstellung ist derzeit für Ende 2029 vorgesehen. Parallel will die Stadt die verbleibenden Grundstücke für den Bau des Dienstleistungszentrums verkaufen.

Erst erfassen, dann abreißen

Es klingt fast paradox, aber bevor die Bestandsgebäude auf dem Areal abgebrochen werden können, müssen sie zunächst planerisch genau erfasst werden. Grund dafür ist, dass es für manche Gebäude offenbar keine Planunterlagen gibt. Für die Ausschreibung des Abbruchs muss jedoch unter anderem ermittelt werden, welche Materialien in welcher Menge zu erwarten sind. Den Auftrag für diese vorbereitenden Arbeiten erhielt das Heidenheimer Unternehmen HPC zum Preis von 94.000 Euro.

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