Giengen 1975: Für zehn Schülerinnen und Schüler des Margarete-Steiff-Gymnasiums (MSG) ging es das erste Mal in den Schüleraustausch nach Frankreich. Am MSG hatte es bereits ein Austauschprogramm gegeben, allerdings mit England. Hierzu wollte der damalige Französischlehrer Franz Sießegger, der im Sommer 2024 verstorben ist, ein alternatives Angebot schaffen. Also erkundigte er sich nach einer Stadt in Frankreich, die nicht allzu groß war, und landete schlussendlich in Neuville-sur-Saône. Ein Örtchen, direkt an der Saône, das nicht weit entfernt von Lyon liegt. Doch warum ausgerechnet dort?
Durch einen Auslandsaufenthalt während seiner Studienzeit hat Sießegger eine Bekanntschaft mit einem dort lebenden Lehrer geschlossen.
Wolfgang Thalesch, ein pensionierter Lehrer über die Wahl des Partnerortes
„Durch einen Auslandsaufenthalt während seiner Studienzeit hat Sießegger eine Bekanntschaft mit einem dort lebenden Lehrer geschlossen“, erzählt Wolfgang Thalesch, ein pensionierter Lehrer, der damals am MSG ein Kollege von Sießegger war. Dieser Kollege aus Frankreich vermittelte Sießegger mit seinem Anliegen an eine Schule in Neuville.
Von Jungeninternat zur Privatschule
„Damals war der Austausch noch privat und nicht offiziell, das heißt wir sind während der Ferien gefahren“, sagt Thalesch. Außerdem: „Herrn Sießegger war es vor allem wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler in Gastfamilien kommen und nicht in Gasthäusern übernachten. Sie sollten das Leben und die Kultur der Franzosen richtig mitbekommen.“ Heute handle es sich bei der Partnerschule um eine Privatschule, vor 50 Jahren sei es noch ein Internat nur für Jungen gewesen. „Da wir aber in den Ferien waren, war das nicht schlimm und es konnten trotzdem auch Mädchen mit auf den Austausch kommen.“
Was 1975 mit zehn Schülern begonnen hatte, entwickelte sich rasch weiter. Mitte der 80er-Jahre waren bereits 70 Schülerinnen und Schüler in den Austausch involviert, erzählt Thalesch. Die Anzahl der Beteiligten blieb allerdings nicht so hoch. Vor allem die Corona-Pandemie habe eine große Lücke hinterlassen. Dass der Schüleraustausch dennoch jedes Jahr stattfindet, freut nicht nur Wolfgang Thalesch nach all den Jahren, sondern auch Anette Croizat. Sie ist Lehrerin am MSG für die Fächer Deutsch und Französisch.
In der Regel ist es Pflicht, dass diejenigen, die nach Frankreich gehen, im Gegenzug eine französische Schülerin oder einen Schüler aufnehmen.
Anette Croizat, Lehrerin am Margarete-Steiff-Gymansium
„Jedes Jahr im Frühjahr machen wir den Austausch. Erst fahren wir aus Giengen nach Frankreich und später kommen die Franzosen zu uns“, sagt die Lehrerin. Wenn die Franzosen hier sind, besteht das Programm aus einem bunten Mix an regionalen und überregionalen Aktivitäten. „Neben dem Steiff-Museum steht auch das Mercedes-Benz-Museum auf dem Plan“, sagt Croizat zu dem bevorstehenden Besuch der Franzosen. In Frankreich bekommen die deutschen Schülerinnen und Schüler neben Ausflügen einen Einblick in das Schulsystem.
Eigentlich sei der Austausch nur für die Schüler gedacht, die Französisch gewählt haben. Ist die Teilnehmerzahl zu gering, können auch Klassenkameradinnen und -kameraden aus den Lateinkursen mitkommen. „In der Regel ist es Pflicht, dass diejenigen, die nach Frankreich gehen, im Gegenzug eine französische Schülerin oder einen Schüler aufnehmen“, sagt Croizat.
Ein Wochenende mit Gastfamilie steht zur Verfügung
Da die Nachfrage von Deutschland nach Frankreich meistens jedoch größer sei, geht es nicht immer auf. Manchmal komme es auch vor, dass zwei Deutsche zusammen in einer französischen Familie untergebracht sind. Der Austausch wird so gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Gastfamilien ein Wochenende zur Verfügung haben. „Da sieht das Programm immer ganz unterschiedlich aus. Mache treffen sich mit Freunden zum Kicken, andere schnappen sich ihre Gastkinder und gehen drei Tage Skifahren“, sagt die MSG-Lehrerin.
Das freut mich umso mehr, dass das Interesse an dem Austausch bei anderen Lehrern vorhanden ist. In Deutschland wie auch in Frankreich.
Anette Croizat, Lehrerin am Margarete-Steiff-Gymansium
Da es laut Croizat am MSG zu wenige Französischlehrerinnen und -lehrer gibt, kommen auf den Austausch nach Frankreich Lehrer von anderen Fächern mit. „In diesem Jahr haben mich Musik- und Lateinlehrer begleitet.“ Auch der beteiligte Lehrer in Frankreich ist eigentlich Biologielehrer. „Das freut mich umso mehr, dass das Interesse an dem Austausch bei anderen Lehrern vorhanden ist. In Deutschland wie auch in Frankreich“, sagt Anette Croizat.