Im Naturtheater Heidenheim laufen die Vorbereitungen für die Inszenierung von „Die drei Musketiere“ auf Hochtouren. Auch Fechtworkshops gehören zum Probenplan. Zusammen mit den erfahrenen Kampfchoreografen Dörte Jensen und Matthias "Fitti" Fittkau arbeiten die Darsteller an den Kampfszenen des Stücks. Für Regisseur Karsten Tanzmann ist eines klar: „Fechten bei den Musketieren ist einfach Pflicht!“
Fechten bei den Musketieren ist einfach Pflicht!
Karsten Tanzmann, Regisseur der "Musketiere"
„Wer einmal gesehen hat, wie Gene Kelly sich in seinem Musketier-Film von 1948 bewegt, vergisst das nicht. Ich wollte in dieser Inszenierung Fechtszenen haben, die die Zuschauer begeistern sollen.“, so Tanzmann weiter.
Realismus und Sicherheit: Die Kunst des Bühnenkampfes
Das Inszenieren von Fechtszenen auf der Bühne gilt als Herausforderung: Die Kämpfe müssen sowohl gut für das Publikum aussehen als auch sicher für die Darsteller sein, und gleichzeitig die Spannung des „echten“ Fechtens vermitteln. Dabei geht es nicht nur darum, die richtigen Bewegungsabläufe zu lernen, sondern auch den Abstand zu wahren und die Szene so zu spielen, dass das Publikum die Energie spüren kann. Und das, ohne zu sehen, dass es sich um ein inszeniertes Gefecht handelt.

Ich will eine spannende Geschichte erzählen, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen soll.
Karsten Tanzmann, Regisseur der Musketiere
„Die Zuschauer sollen nicht wissen, was als nächstes passiert“, erklärt Matthias Fittkau von Stage Combat Deutschland. Aber auch die Figuren selbst sollen nicht wissen, was als Nächstes passiert. Denn obwohl die Schauspieler wissen, dass als Nächstes ein Hieb auf den Kopf folgt, sollten die Figuren immer erst in letzter Sekunde abwehren, um es realistischer wirken zur lassen. Und auch wenn es „historisch super“ ist zu treffen, sollte man dies natürlich nicht auf der Bühne tun, so Fittkaus Kollegin Dörte Jensen. Sie erzählt auch, dass es am Anfang eine Art Stummfilm-Variante ist, dass aber Anstrengungs- und Schreckgeräusche im späteren Verlauf wichtig sind, denn „auch Geräusche erzählen eine Geschichte“.
„Einer für alle und alle für Einen“
Die Darsteller und Darstellerinnen haben während des Workshops zusammen mit den Experten an der richtigen Technik und Choreografie gearbeitet. „Da die Musketiere auch oder gerade von den Fechtszenen lebt, die man als Zuschauer auch zu Recht erwartet, wollten wir die Hilfe von im Bühnenkampf erfahrenen Coaches in Anspruch nehmen“, so Tanzmann.
Das Ziel sei, spektakuläre Fechtszenen zu erschaffen, die nicht nur die Zuschauer fesseln, sondern auch die Schauspieler fordern. „Für alle kämpfenden Darsteller im Naturtheater bedeutet die Arbeit an diesem Stück einen enormen zusätzlichen Probenaufwand mit vier kompletten Choreografie-Wochenenden zusätzlich zu den eigentlichen szenischen Proben“, erklärt der Regisseur. „Ich will eine spannende Geschichte erzählen, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen soll. Eine Geschichte, die man sich gerne ansieht. Und ich denke, das wird uns gelingen.“
Durch Sicherheit bekommt man die Freiheit zu spielen.
Dörte Jensen, Stage Combat Deutschland
Dabei ist Sicherheit oberstes Gebot. „Durch Sicherheit bekommt man die Freiheit zu spielen“, so Dörte Jensen. Sobald die Darsteller die Regeln des Bühnenkampfs verinnerlicht haben, müssen sie keine Angst mehr haben, ihre Spielpartner versehentlich zu verletzen und können sich auf das Ausspielen der Kampfszene konzentrieren.
Frauen mit Langmessern: Gleichwertige Fechterinnen auf der Bühne
So vorlagentreu wie möglich – doch mit einem Unterschied: Frauen dürfen in dieser Inszenierung auch den Degen schwingen – in Form von zwei fechtenden Frauenrollen. „Heute ist das egal, ob Männer oder Frauen – wir nehmen lieber die, die gut sind“, sagt Fittkau dazu. Früher, betont er, hätten Frauen während eines Kampfes bestimmt nicht einfach in der Küche gestanden, sondern sich verteidigt. Besonders beeindruckend sei es für das Publikum, wenn eine Frau in einem Stück oder Film einen Mann entwaffnet – das werde oft stärker wahrgenommen als ein Kampf zwischen zwei Männern.

Regisseur Tanzmann ergänzt: „Weil so viele Frauen im Theater auch fechten wollten, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, fechtende Frauen einzubauen. Das war zu Dumas' Zeiten nicht ganz so häufig zu finden. Wir haben aber nun mal deutlich mehr weibliche Akteure als männliche. Deshalb habe ich zusammen mit Dörte und Fitti überlegt, eine Fechtszene mit Frauen einzubauen – und das auch noch mit ganz speziellen Langmessern.“
Historisches Fechten, Sportfechten und Bühnenfechten im Vergleich
Historisches Fechten fokussiert Effektivität, mit dem Ziel, den Gegner schnell außer Gefecht zu setzen. Im Sportfechten gibt es klare Regeln – es geht, um präzise Treffer und um Punkte. Im Gegensatz dazu steht das Bühnenfechten, das auf Choreografie und Inszenierung setzt. Hier geht es nicht um echte Treffer, sondern darum, dem Publikum mitreißende Kämpfe zu zeigen. Ziel ist nicht das Gewinnen, sondern das Erzählen einer dramatischen Geschichte im Kampf.
Die Premiere der "Drei Musketiere" ist am 27. Juni. Karten gibt es auf der Naturtheater Homepage.