Aus Politik und Wirtschaft

Heidenheimer Stimmen zur Bundestagswahl

Einen Tag nach der Bundeswahl blicken Vertreter aus Heidenheims Politik und Wirtschaft auf das Ergebnis. Wie sie die Situation einschätzen.

Die hohe Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl ist für den IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler „eine Stärkung der Demokratie, es ist ein sehr gutes Votum“. Sie sei aber auch ein Auftrag an die Politik, dass es vorangehen müsse. Es habe in der Vergangenheit zu viele Situationen gegeben, in denen nur beschrieben worden sei, was nicht funktioniert. Das habe den Standort Deutschland „in ein zwielichtiges Licht gerückt. Ich hoffe, dass wir es mit einer neuen, stabilen Regierungskoalition schaffen, aus einem problembeschreibenden Modus herauszukommen, und wieder klare Lösungen für die Bevölkerung und den Wirtschaftsstandort finden.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler. Foto: IHK

Rentschler erhofft sich von einer neuen Regierung, dass Wege aufgezeigt werden, wie die Energiewende zu schaffen ist, unter Einbeziehung aller Energieträger. Zudem setzt er darauf, dass Entscheidungen schneller getroffen und Beschlüsse auch zeitiger und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Wichtig wäre ihm, dass bürokratische Hürden abgeschafft werden in Absprache mit der EU-Kommission und den Ländern, „wir brauchen einfach weniger Bürokratie und mehr Freiräume. Das erfordert ein kluges Draufschauen auf der Suche nach Vereinfachung“, so der IHK-Chef. „Wir müssen es schaffen, dass der Glaube an den Standort Deutschland und unsere Wirtschaftskraft wieder wächst, wir sind eine starke Volkswirtschaft und das muss jeder verstehen.“ Von einer neuen Regierung erwartet Rentschler Investitionsanreize, die wiederum Multiplikatoren auslösen können, „die Unternehmen müssen wieder in Deutschland investieren, das gilt besonders für den Mittelstand.“ Dafür benötige es ein kluges steuerliches Konzept.

Forderung nach Stabilität

Dass es dem CDU-Politiker Roderich Kiesewetter erneut gelungen ist, für den Wahlkreis in den Bundestag einzuziehen, sei erfreulich. „Dadurch, dass er den Wahlkreis jetzt allein vertritt, trägt er eine noch größere Verantwortung.“ Doch Kiesewetter sei schon immer ein guter Teamplayer und in der Region bestens vernetzt gewesen, „deshalb mache ich mir da keine Sorgen“, sagt Rentschler. Das Wichtigste für ihn ist, dass politisch wieder mehr Stabilität eintritt, „denn das ist durch nichts zu ersetzen“.

Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo Foto: Rudi Penk

Ähnlich sieht auch Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo die Situation: „Jetzt kommt es darauf an, dass zügig eine stabile Regierung gebildet wird, die den aktuellen internationalen Herausforderungen entschlossen begegnet. Gleichzeitig müssten Bund und Länder sicherstellen, dass das Konnexitätsprinzip greife. „Die Kommunen benötigen eine verlässliche finanzielle Ausstattung, um ihre Aufgaben bewältigen zu können“, so Salomo.

Mehr Investitionen gefordert

Heidenheims IG-Metall-Chef Tobias Bucher. Foto: Markus Brandhuber

Für Tobias Bucher, den Ersten Bevollmächtigten der Heidenheimer IG Metall, ist das Wahlergebnis „ein stückweit ernüchternd“. Außer der AfD seien die meisten Parteien abgestraft worden. „Es sieht beinahe so aus, als sei die AfD die neue Arbeiterpartei, aber das ist sie nicht, das sollte jeder begreifen, der sich das Wahlprogramm anschaut.“ Von einer neuen Bundesregierung erwartet der Gewerkschafter, „dass sie investiert statt kaputtspart“. Deutschlands Industrie müsse wieder in eine exponierte Lage gebracht werden, „wir brauchen dringend Industriearbeitsplätze“. Das Wichtigste ist Bucher zufolge, dass „eine neue Regierung endlich liefert, sonst haben wir in vier Jahren ein noch viel größeres Problem.“

Landrat Peter Polta. Foto: Rudi Penk

Heidenheims Landrat Peter Polta freut sich in erster Linie über die hohe Beteiligung bei der Bundestagswahl. „Roderich Kiesewetter möchte ich ganz persönlich zu seinem erneuten Direktmandat gratulieren. Er hat in der Vergangenheit die Interessen unseres Wahlkreises in Berlin stark vertreten – und wird dies sicherlich weiterhin tun“, so Polta.

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