Mord verjährt nie. Auch deshalb nehmen sich Ermittler manche ungelöste Kapitalverbrechen nach Jahren noch einmal vor. Die Hoffnung, Fälle dann doch noch zu klären, beruht oftmals auf Fortschritten in der Kriminaltechnik, etwa bei der DNA-Analyse.
Auch besteht stets die Hoffnung, dass sich Zeugen nach langer Zeit an Entscheidendes erinnern, oder dass Mitwisser ihr Schweigen brechen. All diese Aspekte schwangen mit, als jetzt in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ an ein Tötungsdelikt erinnert wurde, das sich vor achteinhalb Jahren in Heidenheim zutrug.
Am 18. September 2016 tötete Manolis Karatzaidis seinen Schwager
Am 18. September 2016 gab der damals 34-jährige Manolis Karatzaidis gegen 2.24 Uhr im Bistro Palma an der Erchenstraße bei einem Streit mehrere Schüsse aus einer umgebauten Schreckschusspistole ab. Er tötete seinen 24 Jahre alten Schwager durch einen Kopfschuss und verletzte dessen Schwester – zugleich seine eigene Ehefrau – durch einen Streifschuss.
Die beiden Opfer betrieben das Lokal seinerzeit gemeinsam. Nach der Tat flüchtete Karatzaidis. Sein Pkw, ein orangefarbenes BMW-Cabriolet, wurde am Abend des Tattags wie auch Shirt und Jeans nahe des Herbrechtinger Industriegebiets Vohenstein aufgefunden.

Videoaufnahmen belegen, dass sich der Tatverdächtige zwischen 2.33 und 2.37 Uhr an einer Tankstelle an der Daimlerstraße in Herbrechtingen aufhielt. An der nahegelegenen Anschlussstelle der A7 war sein Mobiltelefon letztmals um 5.38 Uhr eingeloggt.
Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb erfolglos
Eine sofort eingeleitete Fahndung, in die auch ein Hubschrauber und Hundeführer einbezogen waren, blieb erfolglos. Da ein Suizid nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde mit einer Vielzahl von Kräften und mit Leichenspürhunden auch in einem Waldstück bei Oggenhausen sowie beim Giengener Flugplatz gesucht. Nachdem verschiedene Geländeabschnitte und auch die Brenz durchkämmt worden waren, konzentrierte sich eine erneute Suchaktion im November 2016 auf zwei private Rotwildgehege bei Herbrechtingen. Karatzaidis, der vor der Tat als Bauhelfer tätig war, blieb jedoch verschwunden.
Die nach dem Tatort benannte Sonderkommission Palma der Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst, die mit einem internationalen Haftbefehl untermauerte Fahndung lief indes weiter. Da der in Georgien geborene Karatzaidis die griechische Staatsangehörigkeit besitzt, stand schnell die Vermutung im Raum, er habe sich möglicherweise nach Griechenland abgesetzt. Lediglich zehn Personen meldeten sich unmittelbar nach dem Verbrechen und in der darauffolgenden Zeit mit Hinweisen bei der Polizei. Das teilten die Ermittler acht Monate nach der Tat mit.
Auch jetzt gingen nur wenige Hinweise ein, nachdem am 12. Februar 2025 in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ in der Rubrik „Europe’s Most Wanted“ die Suche nach Manolis Karatzaidis abermals thematisiert worden war. „Die Zahl der Anrufe lag im einstelligen Bereich“, sagte Jürgen Glodek, Pressesprecher des Stuttgarter Landeskriminalamts, anschließend auf HZ-Anfrage. Auch einige Tage später hat sich daran nichts geändert. Karatzaidis ist also nach wie vor nicht gefasst, und man darf davon ausgehen, dass weiterhin Zivilfahnder auf ihn angesetzt sind.
4000 Euro Belohnung
Seit 2016 veröffentlichen die EU-Mitgliedstaaten unter dem Titel „Europe’s Most Wanted“ auf der Webseite von Europol Fahndungen nach Straftätern aus den Bereichen Schwerstkriminalität und Terrorismus. Europol ist eine Polizeibehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag (Niederlande), die der Zusammenarbeit der nationalen Polizeien und dem Informationsaustausch dient. Auf der Liste der gesuchten Personen findet sich auch der heute 43 Jahre alte Manolis Karatzaidis. Ihm werden Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Er soll etwa 170 Zentimeter groß sein, braune Augen und verschiedene Tattoos haben: eine Schlange am linken Oberarm, ein Kreuz an der rechten Schulter, eine Kobra an der rechten Wade. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Beschuldigten führen, ist eine Belohnung von 4000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.