Seit Jahrzehnten schon genügt ein Wort, und die Grabenstraße wird zum Aufreger: Durchgangsverkehr. Damit ist es möglicherweise in absehbarer Zeit vorbei. Die Stadtverwaltung will einen Praxistest ins Werk setzen, an dessen Ende eine Antwort auf die Frage stehen soll, ob motorisierte Fahrzeuge von dieser innerstädtischen Strecke zwischen Brenz- und August-Lösch-Straße verbannt werden können. Hinsichtlich Termin und Dauer des Testlaufs befindet sich die Stadt gerade in Abstimmung mit einem auf Verkehrsfragen spezialisierten Planungsbüro.
Dass Autofahrer in großer Zahl die Grabenstraße verbotenerweise als Abkürzungsstrecke benutzen, ist nichts Neues. Wieder einmal zum Thema wurde dieser anhaltende Missstand, als die Stadt dort Anfang März zur Überwachung des Verkehrs einen sogenannten Enforcement-Trailer aufstellte, also einen auf einem Anhänger installierten „Blitzer“.
1030 Kraftfahrzeuge innerhalb eines Tages
Als diese Aktion in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats thematisiert wurde, verwies Ralf Käpplinger, im Rathaus Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Umwelt und Vermessung, auf die Ergebnisse einer Verkehrszählung vom 7. November 2024. Damals waren binnen 24 Stunden neben 550 Fahrrädern auch 1030 Kraftfahrzeuge auf der Grabenstraße unterwegs – davon 570 Pkw, 320 Busse und 140 Lieferfahrzeuge. Wie viele dort zulässig oder unzulässig verkehrten, „kann nicht beantwortet werden, da dies schwerlich in einer solchen Kontrolle überprüft werden kann“ so Rathaussprecherin Maja Jochem.
Gleichwohl schlussfolgerte Käpplinger angesichts der schieren Zahl: „Dem muss entgegengewirkt werden.“ Die Wirksamkeit von Pflanzgefäßen und Fahrbahnverengungen wurde bislang schon mit mehr oder weniger durchschlagendem Erfolg getestet, jetzt will die Verwaltung einen deutlich darüber hinausgehenden Schritt tun. Sie denkt an ein generelles Durchfahrtsverbot. Ausnahmen sollen dann nur noch für Anlieger und zu bestimmten Zeiten für den Lieferverkehr gelten.
Bedeutet: Auch die Stadtbusse wären von einer solchen Regelung betroffen. Sie hätten auf ihren Touren künftig einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Als Ersatz für die wegfallenden Haltestellen auf Höhe der CDU-Geschäftsstelle und der C&A-Filiale müsste Käpplinger zufolge über neue Haltepunkte an der St.-Pöltener-, Bahnhof- und Ploucquetstraße nachgedacht werden. Stehen und fallen dürfte ein derart gravierender Einschnitt in die aktuelle Verkehrsführung mit dem zu erbringenden Nachweis, dass der Takt der jeweiligen Buslinien eingehalten werden kann. Deshalb sind die Busunternehmen mit im Boot.
Die derzeit geltende Regelung ist deutlich sichtbar am Süd- und Nordende der Grabenstraße ausgeschildert: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit in dem verkehrsberuhigten Bereich beträgt 20 Kilometer pro Stunde. Freie Zufahrt haben nur Busse, Taxen, Radfahrer und der Lieferverkehr, außerdem die Nutzer von Behindertenparkplätzen.

Weitergehende Details sind zumindest öffentlich noch nicht bekannt, die Bekanntgabe der Pläne quittierten zahlreiche Stadträtinnen und Stadträte aber mit Applaus. Seine generelle Zustimmung signalisierte Oberbürgermeister Michael Salomo mit der Feststellung: „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Straßen von Fußgängern eingenommen werden.“
Überlegungen, für die Grabenstraße eine dauerhafte Verkehrsberuhigung zu erreichen, sind nicht neu. Schon Ende der 1990er-Jahre verfolgte eine gemeinsame Initiative von Anwohnern und Geschäftsleuten dieses Ziel. Der Erfolg blieb freilich überschaubar. Immer wieder werden von verschiedenen Seiten Klagen laut, die bisher ergriffenen Maßnahmen seien unzulänglich. Exemplarisch die Aussage von Ralf Willuth, dem Fraktionssprecher der Freien Wähler im Heidenheimer Gemeinderat, aus dem November 2020: „Hier muss konsequent verwarnt werden, sonst entsteht der Eindruck, dass der Ehrliche der Dumme ist.“
Stadt überwacht fließenden Verkehr
Im vergangenen Jahr überwachte die Stadt Heidenheim an verschiedenen Stellen mit einem gemieteten Enforcement-Trailer den fließenden Verkehr. Binnen acht Wochen brachte ihr das 246.000 Euro ein. Abzüglich der Kosten beliefen sich die Einnahmen auf 225.000 Euro.