Im Eselsburger Tal wächst ein Getreide, das in Deutschland jahrhundertelang fast vergessen war: Hirse. Einst ein Grundnahrungsmittel, wurde sie nach und nach von Kartoffeln und Weizen verdrängt – nicht, weil sie weniger gesund wäre, sondern weil sie niedrigere Erträge liefert. Doch nun erlebt das urheimische Getreide eine kleine Renaissance. Christoph Bosch von der Biotal-Hofgemeinschaft bestätigt: „Unsere Kunden im Hofladen fragen immer häufiger nach Hirse.“
Die Eselsburger Hofgemeinschaft setzt seit Jahrzehnten auf biologische Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Direktvermarktung – ein Konzept, das jüngst erneut gewürdigt wurde: Die Leserinnen und Leser des Bio-Magazins Schrot & Korn wählten den Eselsburger Hofladen unter die besten Bioläden Süddeutschlands. In gleich vier Kategorien erhielt er eine Bronze-Auszeichnung – für Frische, Atmosphäre, Sortiment und Gesamtwirkung. „Diese Auszeichnung ist sehr wertvoll für uns“, sagt Bosch. „Sie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Nachhaltigkeit und regionale Landwirtschaft
Seit der Eröffnung in dem aus Lehm, Holz und Stroh erbauten Gebäude 2019 stecken Bosch und sein Team viel Arbeit in den Laden und das Café am Fuße des Eselsburger Tals. Auch, wenn die nachhaltige Landwirtschaft der Hofgemeinschaft nicht immer mit dem Tempo des Marktes mithalten kann, sagt Bosch: „Wir wollen künftig noch mehr regionales Gemüse selbst anbauen und dafür Folientunnel einsetzen.“ Dadurch kann Gemüse früher, aber auch länger wachsen – besonders in raueren Klimazonen wie der Schwäbischen Alb.
Bosch erklärt es so: „Immer mehr Menschen hinterfragen, wo ihre Lebensmittel herkommen, wie sie produziert wurden und welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat“. Die Hofgemeinschaft sehe sich als Teil dieses Wandels – und wolle mit ihrem Tun einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft leisten. Bosch: „Die meisten Kunden kommen nicht nur, um hochwertige Bioprodukte zu kaufen.“ Die gebe es schließlich auch im Supermarkt. „Immer mehr Menschen hinterfragen, wo ihre Lebensmittel herkommen, wie sie produziert werden und welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat.“

Prinzipien der nachhaltigen Landwirtschaft
„Wir wollen nicht nur ein Bio-Siegel bieten, sondern eine Landwirtschaft, die Kreisläufe schließt und Ressourcen schont“, erklärt der Familienvater und Co-Geschäftsführer aus Eselsburg. Wie geschieht dies bereits jetzt?
Wer durch den Eselsburger Hofladen schlendert und sich mit Christoph Bosch unterhält, merkt schnell, dass Nachhaltigkeit ein Prinzip ist, das sich vor Ort in vielen Tätigkeitsbereichen wiederfindet. Die Hofgemeinschaft verbindet Erzeugung, Handwerk und Direktvermarktung. Neben eigenen Milchprodukten, Eiern, Gemüse und Fleisch werden auch Erzeugnisse anderer Bio-Betriebe aus der Region verkauft.
Boden auf- statt abbauen
Statt den Boden mit tiefem Pflügen auszulaugen – wie es in der konventionellen Landwirtschaft oft geschieht –, setzt man in Eselsburg etwa auf den gezielten Aufbau von Humus. Humus verbessert die Bodenstruktur, speichert Wasser, fördert die Artenvielfalt und bindet CO₂ – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Vielfalt fördern
Apropos Böden: Die Böden der Schwäbischen Alb sind eher karg, das Klima oft rau – dennoch setzt der Hof auf Vielfalt. Neben Hirse wachsen hier Dinkel, Linsen und weitere traditionelle Kulturpflanzen. „Hirse gehört zu den ältesten Getreidearten Mitteleuropas“, erklärt Bosch. „Früher war sie hier weit verbreitet, bis sie von der Kartoffel verdrängt wurde – die ja eigentlich gar nicht heimisch ist.“
Zukunftspläne und Herausforderungen
Doch die Eselsburger Hofgemeinschaft blickt nicht nur auf Erreichtes, sondern auch nach vorne. Aktuell befindet sich der Betrieb in einer Phase des Übergangs: „Die ältere Generation übergibt nach und nach die Verantwortung an die Jüngeren. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht“, sagt Bosch. Zuständigkeiten müssten neu verteilt, Konzepte weiterentwickelt werden, noch gebe es vieles zu klären. Doch er selbst blickt optimistisch in die Zukunft: „Es geht darum, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig offen für neue Entwicklungen zu bleiben.“