Falsch verstandene Tierliebe

Warum das Füttern von Vögeln am Itzelberger See eine Gefahr für die Tiere und das Ökosystem ist

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint: Das gilt auch für das Füttern der Wasservögel am Itzelberger See. Bernd Engelhart vom Nabu-Kreisverband Heidenheim erklärt, welche Schäden die falsch verstandene Tierliebe anrichten kann.

Der Frühling hält langsam Einzug im Landkreis Heidenheim und immer mehr Menschen zieht es wieder an den Itzelberger See zu einem Spaziergang in der Sonne. Immer häufiger sind nun auch wieder Besucherinnen und Besucher zu beobachten, die vom Ufer des Sees aus die Enten und Gänse mit Brot füttern. Was sicherlich nett gemeint ist, kann für die Tiere aber zu einer tödlichen Gefahr werden und das fragile Ökosystem des Gewässers nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringen.

Tiere können am Brot ersticken

Warum das so ist, erklärt Bernd Engelhart vom Vorstandsteam des Heidenheimer Nabu-Kreisverbands: „Durch die Fütterungen vor allem mit Brot gelangen zusätzliche Nährstoffe in den See, die zu gravierendem Sauerstoffmangel im Gewässer führen können.“ Brot und Brötchen führen laut Engelhart zudem zu Verdauungsproblemen bei den Wasservögeln: „Sie enthalten neben Backtriebmitteln zu viel Zucker, Salz und manchmal auch Schimmel. Im Magen und Hals der Enten, ebenso wie bei Schwänen oder Gänsen, quillt das Brot auf.“ Die Tiere können im schlimmsten Fall daran sterben.

Selbst das Brot, das zunächst nicht im Magen der Vögel landet, kann zum Problem werden: „Ein Teil des Brotes verschimmelt. Die Vögel und Fische, die dieses Brot fressen, werden ebenfalls krank“, warnt der Experte. Zusätzlich würde die natürliche Nahrung von den Tieren immer weniger gefressen. „Zu viele Vögel werden durch das Füttern künstlich am See und zu viele Fische im Gewässer gehalten, sodass es zu einer Überbevölkerung kommen kann und der Naturhaushalt massiv beeinträchtigt wird.“ Die Ausscheidungen der Tiere verunreinigen so zusätzlich die Gewässer und die Selbstreinigungskraft des Wassers werde reduziert.

Ein Teil des Brotes verschimmelt. Die Vögel und Fische, die dieses Brot fressen, werden ebenfalls krank.

Bernd Engelhart, Nabu

Das nicht gefressene Brot wiederum löse sich im Wasser auf, sinke zu Boden und verbrauche beim Abbau große Mengen Sauerstoff, das dem Wasser des Sees entzogen werde. Die Folge: Fische ersticken, Muscheln, Schnecken, Krebse und Würmer sterben ab. „Damit geht die natürliche Nahrung von Vögeln und Fischen zugrunde“, sagt Engelhart. Während diese Tiere sterben, lässt das freigesetzte Kohlendioxid die Algen übermäßig wachsen, was zur bekannten Grünfärbung des Wassers führt. Der See kippe förmlich um.

Vier Gänse am See haben „Kippflügel“

Wer zudem regelmäßig am Itzelberger See unterwegs ist, dem dürften auch schon Gänse aufgefallen sein, deren Flügel seltsam zerfleddert aussehen und zur Seite abstehen. Das Phänomen dieser „Kippflügel“ ist laut Engelhart noch nicht abschließend geklärt. Es wird aber in Betracht gezogen, dass auch diese Fehlbildung auf die übermäßige Fütterung durch unnatürliche Nahrung zurückzuführen ist. Die betroffenen Gänse am See und im Bereich des Naturschutzgebietes Brünneleswiesen bei Aufhausen sind dem Nabu seit Langem bekannt. Vier der 15 Kanadagänse haben diese Missbildung, die dazu führt, dass sie nicht mehr fliegen können.

Ob nun auch die „Kippflügel“ auf das Füttern von Brot zurückzuführen sind oder nicht: Der Nabu plädiert dafür, verstärkt durch Schilder auf das Fütterungsverbot am See aufmerksam zu machen und aufzuklären. Die Meisten werden einfach nicht wissen, dass sie bei dieser Freizeitbeschäftigung erheblichen Schaden anrichten können.

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