Gastronomie

Ein Café für Nattheim: Gürol und Nehire Zorba haben sich einen Traum erfüllt

Gürol und Nehire Zorba haben in Nattheim ein Café eröffnet und sich damit einen Traum erfüllt. Sie wollen Treffpunkt sein – und Menschen zusammen bringen.

Kaffee, selbst gemachte Kuchen, Wohlfühlort: Gute Cafés sind gefragt – und rar. Selbst eines besitzen? Das ist von vielen ein lang gehegtes Träumchen. In Nattheim haben nun zwei angepackt – und sich einen Traum erfüllt: Gürol und Nehire Zorba haben im März im ehemaligen Netto-Gebäude (heutige Action-Filiale) „Mein Kaffee“ eröffnet und sich mehr oder weniger ins Unbekannte gestürzt.

In der Gastronomie sind sie Neulinge, in der Geschäftswelt aber nicht. Denn die Zorbas betreiben seit 2022 die Tankstelle im Ort. Die Familie war in Deutschland viel herumgekommen, lange bei Straßburg zu Hause gewesen und hatte wegen des Sohnes den Weg nach Nattheim gefunden. Man wollte wieder näher zusammen sein. „Wir fühlen uns wohl hier, die Menschen sind freundlich“, sagt Nehire Zorba.

Die Räumlichkeiten in Eigenregie umgestaltet und dekoriert

Die Tankstelle war dann auch Dreh- und Angelpunkt für den Café-Traum. Kunden seien immer wieder zum kurzen Päuschen geblieben, doch die Atmosphäre habe gefehlt. Eine Tankstelle ist eben kein Café, ein Vollautomat keine Siebträgermaschine und ein süßes Stückchen keine selbst gemachte Torte.

Dann tat sich im alten Netto-Gebäude an der Daimlerstraße ein Türchen auf. Dort, wo früher mal ein Schreibwarenladen samt Postfiliale war, wo Netto später selbst zusätzlich Fläche nutzte und auch zeitweise Leerstand herrschte, sollte sich den Zorbas eine passende Gelegenheit bieten. „Das hat sich zufällig ergeben“, erinnert sich Gürol Zorba, den in Nattheim wohl alle nur Gerold nennen. Der Einfachheit wegen.

„Wenn es gut ankommt, macht es mich glücklich.“

Zeliha Kalender-Kaplan, Kuchenbäckerin

In Eigenregie wurde schließlich renoviert und dekoriert. Bei den Zorbas wurden da auch Rollen getauscht: Während Gürol Zorba nach Dekoration suchte, verbrachte Frau Nehire Zorba ganze Abende damit, die entsprechende technische Ausstattung fürs Café zu finden. Darüber müssen die beiden schmunzeln.

Die Kuchen sind selbstgebacken – „wie zu Omas Zeiten“

Hier im „Mein Kaffee“ wird alles selbst gebacken. Die Kuchenfee ist eine enge Freundin der Familie: Zeliha Kalender-Kaplan, von den Zorbas liebevoll „Schwester“ genannt, ist für die Leckereien zuständig. Sie ist gelernte Konditorin und erfahren. Sie hat Freude am Backen und sagt: „Wenn es gut ankommt, macht es mich glücklich.“

Das Kuchen-Repertoire wechselt und umfasst Klassiker wie die beliebte „Schwarzwälder Kirsch“, aber auch Exoten wie Spinat- oder Rote-Bete-Torte. Das Gemüse schmecke man nicht unbedingt, doch die Farben sähen toll aus, wie Zeliha Kalender-Kaplan sagt. Ohnehin, sie setze auf Bio-Produkte und spare an Zucker, setze lieber Honig ein. „Das ist auch gesünder“, sagt sie und verspricht Kuchen „wie zu Omas Zeiten“.

Es gibt Pläne für eine Außenerweiterung

Aktuell bietet das Café Platz für etwa 40 Gäste. Doch eine Außenerweiterung ist in Planung. Es soll eine Art Wintergarten entstehen – mit wiederum Platz für 40 bis 60 Personen, wie Gürol Zorba sagt. Auch das Angebot wollen die Zorbas dann erweitern. Während aktuell Kaffee, Kuchen und Frühstück angeboten werden, soll es künftig etwa auch Eis, Eiscafé und Cocktails geben. An Ideen mangelt es nicht.

„Manche sagen, ich habe mein Wohnzimmer hierher verlegt.“

Gürol Zorba von „Mein Kaffee“

Die Zorbas verfolgen auch ziemlich ideelle Ziele mit ihrem Café. Denn, wenn sie so erzählen, dann wird eines klar: Sie wollen Menschen zusammenbringen, Austausch bieten, ein offenes Ohr für ihre Gäste haben. „Manche sagen, ich habe mein Wohnzimmer hierher verlegt“, sagt Gürol Zorba (54) und lacht. Die Zorbas wollen „Nattheim zeigen, dass man gut zusammen sein kann“. Multikulti ist das Schlagwort.

Nehire Zorba bringt einen Cappuccino an den Tisch. Der Milchschaum sitzt, die Betreiberin ist bescheiden: „Ich übe noch“, sagt die 56-Jährige. Was sie nach der kurzen Zeit sagen können: Das Café komme gut an, die Resonanz habe die Erwartungen übertroffen. Jetzt hoffen sie auf einen festen Platz in Nattheim. Und bei den Nattheimern.

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