Bauerntag

Starke Frauen, Ernährungssicherheit, Weltpolitik: Das war der Heidenheimer Bauerntag

Wie geht’s den Bauern und vor allen Dingen den Bäuerinnen? Was läuft schief in der Agrarpolitik, in der Weltpolitik, in der Gesellschaft? Beim Heidenheimer Bauerntag gab es jetzt viele Impulse – und konkrete Forderungen.

Es sollte anders werden an diesem Abend. Das hatte Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostalb-Heidenheim eingangs vorausgesagt. Und es wurde anders. Der Heidenheimer Bauerntag, der dieses Jahr in der Nattheimer Gemeindehalle stattfand, war frisch, er war teils emotional, es war persönlich und es gab mitunter tiefe Einblicke in Familiengeschichten und -konstrukte. So mancher wird etwas mit nach Hause genommen haben, neue Gedanken und Sichtweisen. Bestimmt oder insbesondere auch die vielen anwesenden Frauen.

Denn im Mittelpunkt standen dieses Mal die Bäuerinnen, die Unternehmerinnen, die Mütter, die Hofzusammenhalterinnen. Was brennt ihnen auf der Seele? „Starke Frauen – aktive Familien – erfolgreiche Betriebe“ war der Titel des Impulsreferates von Ivanka Seitz, Schul- und Geschäftsleiterin der Bauernschule Bad Waldsee. Da ging es um Selbstreflexion, um eigene Grenzen, um Selbstfürsorge und daraus resultierender Stärke. Facetten und Bereiche, die auf den großteils doch noch sehr traditionell geprägten Höfen oft vielleicht noch Fremdwörter sind.

Wie geht’s den Bauern und Bäuerinnen? Beim Heidenheimer Bauerntag gab es Einblicke. Rudi Penk

Wie geht’s den Frauen? Drei Landwirtinnen gaben Einblicke

Mitunter wurde es psychologisch, teils auch philosophisch. Was ist Stärke, was ist Erfolg, wer ist die Gesellschaft? Die Referentin schaffte es, immer wieder den Spiegel vorzuhalten, die Besucher anzuregen, sich selbst zu hinterfragen. Konkrete Einblicke in das Leben einer Bäuerin gewährten drei erfolgreiche Landwirtinnen aus der Region: Sabine Allgayer, Sonja Müller und Katja Abele standen Rede und Antwort. Das war locker, das war auch mal lustig – und hat Missstände oder Unzulänglichkeiten aufgezeigt.

Geben Sie den Frauen eine Stimme. Denn für Lebensmittelsicherheit brauchen wir gesunde und zukunftsfähige Betriebe.

Ivanka Seitz, Schul- und Geschäftsleiterin der Bauernschule Bad Waldsee

Natürlich ging es um Dinge wie Akzeptanz, Gleichstellung, es ging um Vorurteile, aber auch um konkrete Forderungen in Sachen Altersvorsorge (viele Frauen auf den Höfen sind nicht entsprechend abgesichert) oder Mutterschutzregelungen für Selbstständige. Klar wurde etwas, das im Jahr 2025 doch irgendwie befremdlich klingt, weil es doch längst selbstverständlich sein müsste: Auch Frauen können Bulldog fahren, Höfe leiten, Entscheidungen treffen. Gut sogar. Alte Rollenbilder brechen auf, was sich auch in den Ausbildungszahlen zeigt (ein Drittel ist weiblich, war beim Bauerntag zu erfahren). Dringender Appell von Referentin Ivanka Seitz zum Abschluss: „Geben Sie den Frauen eine Stimme. Denn für Lebensmittelsicherheit brauchen wir gesunde und zukunftsfähige Betriebe.“

Das sagen Vertreter aus Politik und Landwirtschaft

Natürlich war beim Bauerntag auch ordentlich Lokalprominenz zugegen, Vertreter aus der Landwirtschaft, der Politik und der Wirtschaft. Die Begrüßung der Ehrengäste dauerte seine Zeit und hörte sich an wie ein Who-is-Who der Landwirtschaft. Neben Hausherr Norbert Bereska waren auch Landrat Peter Polta, die Landtagsabgeordneten Andreas Stoch (SPD) und Clara Resch (Grüne) vor Ort.

So waren dem Impulsreferat einige Reden vorausgegangen, in denen mitunter weite Bögen gespannt wurden. Die landwirtschaftliche Welt ist vielfältig, die Herausforderungen facettenreich. So sagte Landrat Peter Polta: „Der Bauerntag ist eine wertvolle Gelegenheit, das Bewusstsein für den Wert der Landwirtschaft zu schärfen.“ Landwirtschaft sei nicht nur die Produktion von Lebensmitteln, Landwirtschaft erhalte die Kulturlandschaft, sichere die Zukunft. Der Landrat formulierte auch deutlich: „Egal, ob bio oder konventionell, regional ist das entscheidende Kriterium.“ So bleibe die Wertschöpfung in der Region.

Stoch zu Bürokratie, Agrardiesel und weltpolitischen Spannungen

Der SPD-Landtagsabgeordnete und SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch kam frisch aus den Koalitionsverhandlungen und richtete den Blick auch auf die weltpolitische Lage. Da ging es um Trump, um globale Märkte, um Spannungen und spürbare Unsicherheiten. „Wir können noch nicht absehen, was das alles bedeutet“, so Stoch. Daher, und das betonte der SPDler, müsse Ernährungssicherheit in Deutschland als ein wichtigstes Gut angesehen werden.

Richtete sein Wort an die Besucher: SPD-Landtagsabgeordneter Andreas Stoch. Rudi Penk

„Ich versichere Ihnen, dass die Politik der nächsten vier Jahre nicht davon geprägt sein wird, ideologische Ziele zu verfolgen, sondern davon, pragmatische Lösungen zu finden.“

Andreas Stoch, SPD-Landtagsabgeordneter

Stoch stieg tiefer in die Agrarpolitik ein, adressierte an die Bauern in Bezug auf die gekürzten Agrardieselsubventionen und ein in Aussicht gestelltes Entgegenkommen: „Ich möchte Ihnen sagen, dass die Politik auch was verstanden hat.“ In Sachen Bürokratieabbau müsse „endlich Ernst gemacht werden.“ Und auch wenn er nichts von den Koalitionsverhandlungen ausplaudern könne, ließ Stoch doch so viel wissen: „Ich versichere Ihnen, dass die Politik der nächsten vier Jahre nicht davon geprägt sein wird, ideologische Ziele zu verfolgen, sondern davon, pragmatische Lösungen zu finden.“ Er bat: „Lassen Sie uns intensiv im Austausch bleiben.“

Fand klare Worte: Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Rudi Penk

Kreisbauernverband: Hubert Kucher fand klare Worte

Auch Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, brachte seine Sicht in Bezug auf die vielfältigen landwirtschaftlichen Spannungsfelder dar. Zu einem Entgegenkommen in Sachen Agrardiesel sagte er: „Wenn die Politik denkt, dass das reicht, ist sie auf dem Holzweg.“ Er forderte: Man müsse die Landwirtschaft endlich entlasten in Sachen Bürokratie – „und zwar so, dass wir es merken“, so Kucher. Er sprach hier nicht nur für die Landwirtschaft, auch Handwerker, Ärzte und viele mehr würden erdrückt; „das bricht uns das Genick“, sagte er. Es dürfe keine vier Jahre dauern, denn dann, so Kucher, sei es vielleicht zu spät.

Wenn Menschen Hunger haben, ist der soziale Friede schnell dahin.

Hubert Kucher

Er sprach zum Mindestlohn und zur Konkurrenz mit dem Ausland. „Wir brauchen eine Sonderregelung – sonst wandert der Sonderkulturbereich ganz ab“, sagte Kucher etwa über den Anbau von Erdbeeren. Er sprach über Sinn und Unsinn von Vorschriften und machte deutlich: „Ernährungssicherheit wird in Deutschland zu einem immer höheren Gut.“ Kucher gab Einblicke: Deutschland schaffe es, sich ein dreiviertel Jahr lang selbst zu versorgen, für den Rest sei man vom Ausland abhängig.

Ernährungssicherheit ins Grundgesetz?

Man habe in der vergangenen Zeit spüren können, was Abhängigkeit vom Ausland bedeute, sagte Kucher und verwies auf Energie und Medikamente. Und weiter: „Wenn Menschen Hunger haben, ist der soziale Friede schnell dahin“. Er forderte daher: Nicht nur Klimaneutralität, auch Ernährungssicherheit müsse im Grundgesetz festgeschrieben werden. Er betonte zudem: „Wenn wir Nahrungsmittelproduktion wegen Emissionen abschaffen, dann läuft was falsch.“ Und zur vorgesehenen Bioweidepflicht gab er den Hinweis: „Das verstehe ich nicht, so schaffen wir nicht mehr bio, so schaffen wir es ab.“

Wenn wir Nahrungsmittelproduktion wegen Emissionen abschaffen, dann läuft was falsch.

Hubert Kucher

Kucher sensibilisierte auch für psychische Belastungen in der Landwirtschaft, für Druck. Jüngst habe sich ein Landwirt während einer Kontrolle das Leben genommen. Das mache betroffen. Vielleicht, so Kucher, sollten Schulungen angeboten werden, wie im Ernstfall direkt reagiert werden könne. Kucher war sich am Ende sicher: „Dieser Abend wird nachwirken.“ Man darf es hoffen.

Zu den Vorfällen um den bayerischen Bauernpräsidenten

Ganz aktuell bezog Andreas Stoch im Rahmen des Bauerntages auch Stellung zu den Vorfällen um den bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner. Dieser war als neuer Bundesagrarminister im Gespräch. Er gab aber nun seinen Verzicht bekannt, nachdem Tierschutzorganisationen auf seinen Hof eingedrungen waren. Stoch sagte: „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“ So etwas dürfe nicht sein. Auch Kreisbauernverbandsvorsitzender Hubert Kucher sagte: „Wenn einer so niedergemacht wird, ist das untragbar.“ Er forderte: „Der Staat muss wehrhaft werden. Das können wir so nicht dulden.“ Felßner steht wegen inhaltlicher Positionen in der Kritik. Dies betrifft etwa Äußerungen zur Klimapolitik. So halten ihm seine Kritiker unter anderem vor, dass er Pestizide für unbedenklich und Nutztiere entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse für klimaneutral halte.

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