Schon häufig hat das Ensemble „Harmonic Brass“ in der Andreaskirche Niederstotzingen begeistert. Damit befindet sich die Andreaskirche in einer Reihe mit dem Gewandhaus Leipzig, der Carnegie Hall in New York, dem Arts Center in Seoul, der Endler Hall in Kapstadt und vielen mehr – denn überall dort ist das Quintett bereits aufgetreten. Dass Niederstotzingen dabei immer wieder auf dem Tourplan des weltweit auftretenden Ensembles gehört, das hat einen bestimmten Grund: Andreas Binder, Hornist, Komponist und Texter, hat seine Heimat dort gefunden.
Die vielen Alben, die „Harmonic Brass“ bereits herausgebracht hat, dürften also ihren Weg rund um den Erdball gemacht haben. Ein neues ist jüngst hinzugekommen: „Gipfelstürmer“ heißt die aktuelle CD, und sie zeigt abermals bestens, wie elegant und glamourös Blechbläser klingen können, wenn man so virtuos damit umgeht wie die vier Herren und die Dame von „Harmonic Brass“ mit ihren rund 16 Blechblasinstrumenten.
Wanderlust und Meditation
Vogelzwitschern und Kuhglockengeläut bilden den Auftakt der aktuellen CD und versetzen den Zuhörer gleich in das passende Lokalkolorit für eine zünftige Bergtour, die mit der Eigenkomposition „Auffi auf’n Berg“ alphorngleich zum Aufbruch ruft, um sich sodann stimmungsvoll in Bewegung zu setzen. Das tut sie mit Passagen, die so mitreißend wirken, dass der Zuhörer direkt von Wanderlust gepackt wird, um ebenfalls die Gipfel zu erstürmen.
Und von solchen Gipfeln gibt es gleich mehrere auf der CD: den Gipfel des Genusses klassischer Musik, den Gipfel der Überraschungen und sogar den Gipfel der Meditation. Etwa Jules Massenets berühmte Meditation aus „Thais“, die hier zur inneren Einkehr einlädt, so fein und zart, wie es auch im Blechbläsergewand daherkommt. Das geht schon sehr unter die Haut und beeindruckt umso mehr, als hier die Wucht, die die Instrumente erzeugen können, gerade ins andere Extrem versetzt wird. Und obendrein besitzt die Interpretation jenes filigrane Schimmern, das wohl nur herzustellen vermag, wer wirklich virtuos mit den mächtigen Blechbläsern umzugehen versteht.
Quirlig wie ein Bergquell
„Harmonic Brass“ versteht es, und die CD zeigt die ganze Vielfalt des Ensembles. Jean Sibelius‘ „Finlandia“, schneidig und zünftig wie ein Bergmassiv, die flotte Caprice von Niccolo Paganini, quirlig wie ein klarer Bergquell, und dazu Richard Strauss‘ „Alpensinfonietta“, die Szenarien wie gefahrvolle Augenblicke, Gewitter und Sturm und auch die Stille vor dem Sturm klanglich abbildet - Elisabeth Fessler (Trompete), Andreas Binder (Horn) , Karl-Wilhelm Hultsch (Tuba), Alexander Steixner (Posaune) und Hans Zellner (Trompete) zeichnen sie stimmungsvoll und sehr gekonnt nach und versetzen den Zuhörer mitten ins Geschehen.
Sie nehmen den Zuhörer auch mit in die Höhle des Bergkönigs aus Edvard Griegs „Peer-Gynt-Suite“, und das mit einem ebenso hauchzarten als auch ungemein geheimnisvoll wirkenden Auftakt – fast ließe sich vergessen, dass hier so voluminöse Instrumente im Einsatz sind. Und wo ein König ist, ist die Königin nicht weit: Die Rockgruppe „Queen“ hat es ebenfalls unter die Gipfelstürmer geschafft: Das Medley ihrer Hits ragt in der CD steil wie die Eiger-Nordwand heraus und zeigt, dass „Harmonic Brass“ auch rockige Klänge nicht zu scheuen brauchen. Das ist sicher eine der Überraschungen der CD, eine weitere kommt ganz federleicht daher: „Forrest Gump“ mischt sich auch unter die Bergvagabunden, und vor dem geistigen Auge erscheint angesichts der melodiösen Luftigkeit des Arrangements und seiner Umsetzung ganz automatisch die Feder, deren Weg die Filmmusik nachzeichnet.
Aufgenommen in der Martinskirche Söhnstetten
Elisabeth Fesslers Werk „Gipfelstürmer“ hat wohl nicht nur der CD ihren Namen gegeben, sondern auch weitere Klangbilder von Naturschönheit und endloser Weite beigesteuert. Und die Wanderlust nimmt hier auch ordentlich Tempo auf. Eden Ahbez‘ „Nature Boy“ zeigt Ecken und Kanten, die sowohl im Gebirge als auch in der Musik herausfordernd sein können – „Harmonic Brass“ meistert sie bravourös und zeigt hier auch beste Eignung für jazziges Gelände. Mit Herbert Pixners „Vierteljahrhundert Dreiviertler“ sorgt die CD für den heiteren Ausgang des Ausflugs in die vielseitige Welt der Berge und der Musik, der zeigt, wie vielseitig bereits die Abteilung Blechbläsermusik daherkommen kann – vorausgesetzt, man hat so ein glückliches Händchen in der Auswahl wie in der Umsetzung wie „Harmonic Brass“.
Aufgenommen wurde die CD übrigens in der Martinskirche in Söhnstetten. Und das nicht etwa, weil die so malerisch auf dem Berg liegt, dass sie sich für Gipfelstürmer bestens eignet. Vielmehr hat ihre Akustik als idealer Aufnahmeort überzeugt. Und als idealer Auftrittsort wird sich auch sicher wieder einmal die Andreaskirche in Niederstotzingen beweisen.
Kultureller Botschafter für das Goethe-Institut
Seit 1991 gibt es das Ensemble „Harmonic Brass“, das bereits durch ganz Europa, Japan, Südkorea, die USA, Südamerika, den Nahen und Fernen Osten, Kanada und Südafrika getourt ist. Für das Goethe-Institut ist das Quintett seit 2000 kultureller Botschafter. 39 CD-Produktionen hat das Ensemble bereits vorzuweisen. Von der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Fanfare“ enthusiastisch gefeiert wurde die Weltersteinspielung einiger Werke von Johann Sebastian Bach. Außerdem sind die Musiker weltweit ein gefragtes Dozenten-Team bei Workshops für Blechbläser aller Leistungsklassen.