Direkt vom Hof

Warum die Macks in Sontheim/Stubental ihren Hofladen geschlossen haben

Über Jahrzehnte hinweg verkauften Hildegard und Hans-Peter Mack ihr selbstgebackenes Brot, ihr Gemüse und ihre Kartoffeln vom eigenen Acker in ihrem Hofladen in Sontheim/Stubental. Nachdem sie die Direktvermarktung nun aufgegeben haben, blicken sie zurück auf bewegte Jahre.

Es ist eine Mischung aus ganz viel Wehmut, ebenso viel Stolz und noch mehr Dankbarkeit, die mitschwingt, wenn Hildegard und Hans-Peter Mack von ihrer Zeit als Direktvermarkter erzählen – von den Anfängen bis zum letzten Öffnungstag ihres Hofladens vor einer Woche. So viele Menschen waren noch einmal da, um im Laden einzukaufen, sich mit Geschenken und mit Blumen bei den beiden zu bedanken. „Um halb zwei nachmittags war das Brot ausverkauft“, sagt Hildegard Mack – und so, wie es ihr eigen ist, will sie sich bei ihren Stammkunden dafür entschuldigen, die keines der Brote mehr bekommen haben.

Angefangen hat alles damals in den Achtzigern: Als die Hauswirtschafterin den Landwirt Hans-Peter Mack heiratete, da wusste sie, worauf sie sich einließ: Sie selbst kommt aus der Landwirtschaft, half schon früh auf dem elterlichen Hof mit – und buk schon als Kind gemeinsam mit der Mutter ihr eigenes Brot. „Das wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt“, erzählt sie. Diese Leidenschaft sollte sie zeit ihres Lebens nicht mehr loslassen.

Vorreiter in Sachen Bio

Noch bevor die beiden den Sontheimer Hof von Hans-Peter Macks Eltern übernahmen, war klar, dass sie zukünftig auf Bio umstellen wollten. „Auch ich war früher intensiver Ackerbauer mit Spritzen und allem Drum und Dran“, erzählt Hans-Peter Mack: „Aber ich habe irgendwie gesehen, dass das keine Zukunft haben würde.“ Als sie 1989 damit begannen, auf Bio umzustellen und dafür von vielen noch belächelt wurden, habe es noch keine eigenen Vermarktungsstrukturen für die Bio-Produkte gegeben. Also begannen sie neben der Mitbegründung der Erzeugergenossenschaft Kornkreis mit der Direktvermarktung. Und Hildegard Mack, die etwas Eigenes beitragen wollte, begann selbstgebackenes Vollkornbrot zu verkaufen.

Auch ich war früher intensiver Ackerbauer mit Spritzen und allem Drum und Dran. Aber ich habe gesehen, dass das keine Zukunft haben würde.

Hans-Peter Mack, Landwirt

Angefangen hat alles mit einer Sorte – nach einem abgewandelten Rezept ihrer Mutter. Zum Schluss waren es zwölf unterschiedliche Brotsorten plus allerlei Klein- und Süßgebäck. In jedem dieser Produkte war mindestens 25 Prozent Vollkornmehl verarbeitet worden. Vom eigenen Feld, mit der eigenen Steinmühle vermahlen.

Zunächst hatten die Macks lange Zeit einen Verkaufswagen auf dem Hof stehen, 2001 wurde der Hofladen gebaut, 2012 wurde aus der Garage ein Back-Raum mit gleich mehreren Öfen. In dieser Zeit hatten sich die Macks entschieden, die Milchviehhaltung aufzugeben und sich auf die Direktvermarktung zu konzentrieren.

Brote, wohin man schaut. Am Ende waren es zwölf Sorten und etliche Arten Kleingebäck. Und natürlich: frisches Gemüse und Kartoffeln vom Feld. Rudi Penk

Das alles, der Anbau, die Ernte, die Verarbeitung, das Backen und der Verkauf, ist enorm viel Arbeit, die die beiden natürlich nicht allein stemmen konnten: Zuletzt hatten sie einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Back-Raum und im Verkauf mithalfen. Den Teig für die Brote allerdings machte bis zuletzt einzig und allein Hildegard Mack. „Sie ist eine Perfektionistin“, sagt Hans-Peter Mack über seine Frau und das meint er im ganz positiven Sinne: „Sie hat einen hohen Anspruch an sich selbst und an das, was bei uns verkauft wurde.“ Mit diesem hohen Anspruch ging aber auch eine Menge Arbeit einher: Hildegard Mack mahlte das Getreide selbst, setzte die Backmischungen an, machte die Teige und buk. Jeden Donnerstag ging sie erst gegen Mitternacht ins Bett, nur um am nächsten Morgen, am Verkaufstag, um 4 Uhr wieder aufzustehen.

Wir hatten bis zum Schluss so viele Menschen an unserer Seite, die uns unterstützt haben.

Hildegard Mack, Landwirtin

Dass das nicht ewig so weitergehen konnte, war den beiden klar. „Wir haben nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgehört“, betont die 65-Jährige. „Wir haben aus Altersgründen aufgehört.“ Irgendwann, sagt sie, regeneriere sich der Körper eben nicht mehr so schnell.

Die Macks bleiben Landwirte

Die Landwirtschaft betreiben die Macks weiterhin. Wie die Nachfolge einmal aussehen wird, ist derzeit noch unklar: Die vier Kinder haben sich für andere Wege entschieden. Ohne die Direktvermarktung will sich Hildegard Mack nun wieder mehr Zeit für ihre elf Enkelkinder nehmen. Außerdem möchte sie Kinder auf ihren Hof einladen und ihnen die Landwirtschaft näherbringen. Hans-Peter Mack ist neben seiner Tätigkeit als Landwirt bereits seit Jahren ehrenamtlich tätig – unter anderem als Gemeinderat und in der Dorfgemeinschaft. Und nach wie vor, das steht bereits fest, wird es hin und wieder Brote für Freunde und Bekannte geben.

Es ist nun der erste Freitag ohne Kundschaft im Hofladen. Der erste seit Jahrzehnten. Die Regale und Auslagen sind leer. Ein Anblick und ein neuer Alltag, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Doch so schwer es den Macks gefallen sein mag, am Ende bleibt die Dankbarkeit für die Wertschätzung, die sie erfahren haben: „Wir hatten bis zum Schluss so viele Menschen an unserer Seite, die uns unterstützt haben. Von den Mitarbeitern bis zu den Kunden“, sagt Hildegard Mack.

Und das ist wohl der schönste Grund dafür, warum’s am Anfang erstmal weh tut, loszulassen.

Mehr Wertschätzung für Öko-Landwirtschaft

Als Hans-Peter Mack seinen Hof auf Bio-Landwirtschaft umstellte, war das alles andere als üblich. Heute erinnert er sich, dass die Absatzwege für die Erzeugnisse erst geschaffen werden mussten. „Heute sind 50 Prozent der Landwirtschaft im Steinheimer Krater Öko-Landwirtschaftsbetriebe“, sagt Mack. Und mit den Landwirten hat auch bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Umdenken stattgefunden: „Immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Und wenn es irgendwie geht, kaufen sie sie auch gerne beim Bauern direkt.“

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