Fußball-Bundesliga

Nach 0:1-Niederlage beim SC Freiburg: Der 1. FC Heidenheim steckt weiter im Sturmtief

Die 0:1-Niederlage des 1. FC Heidenheim beim SC Freiburg war bereits die vierte in Folge. Im Breisgau setzte sich auch die Torlos-Serie einiger FCH-Stürmer fort. Wo die Probleme im Angriff der Heidenheimer liegen und warum gerade Führungstreffer für den 16. der Bundesliga-Tabelle so wichtig sind:

Ein Satz genügte Mathias Honsak, um die 90 Minuten des 1. FC Heidenheim im Auswärtsspiel beim SC Freiburg zusammenzufassen. „Es ist ein Déjà-vu zum Spiel gegen Dortmund, wir bekommen wieder ein Tor in der ersten Halbzeit und sind zu harmlos in unserem Offensivspiel“, sagte der Außenstürmer nach der 0:1-Niederlage am Samstagnachmittag. Es krankt in der Offensive der Heidenheimer und das nicht erst in den vergangenen vier verloren gegangenen Spielen. Es fehlt etwas beim FCH in der vordersten Reihe.

Déjà-vu zum Spiel gegen Dortmund

Mathias Honsak, Außenstürmer

Was das ist? Honsak versucht es mit einer knappen Antwort: „Dass der Ball mal ins Eckige geht“, so der 28-Jährige, der in den vergangenen Monaten der einzig verbliebene Offensivspieler mit Torgefahr war. Nach seinem ersten Bundesliga-Tor für die Heidenheimer am 23. November in Leverkusen traf er noch zwei weitere Male. Dabei ist der Sommerneuzugang kein klassischer Mittelstürmer, kann auf dem linken Flügel aber variabel auf allen Positionen eingesetzt werden. Trotzdem machte er es zuletzt besser als alle anderen. Die Bilanz der gelernten zentralen Angreifer seit Ende November in der Bundesliga: Null Tore.

Die Torflaute bei den Mittelstürmern wird immer länger

Marvin Pieringer, der zuletzt am zehnten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg traf, wurde in Freiburg nach der Halbzeitpause eingewechselt. Mehr als einen Kopfball, der deutlich über das Tor der Hausherren ging, brachte er aber nicht zustande. „So richtig gefährlich wurde es nicht“, bemerkte auch Trainer Frank Schmidt. Dieses Urteil galt auch für Winterneuzugang Budu Zivzivadze. In der zweiten Liga traf der Georgier nach Belieben, beim FCH will es mit dem Torschießen nicht so recht gelingen. Bei seinem sechsten Startelfeinsatz zwang er mit seinem Kopfball aus spitzem Winkel SC-Torhüter Noah Atubolu zwar zu seiner einzigen echten Parade an dem Tag, wirklich nah an seinem ersten Bundesliga-Tor war er aber nicht dran.

Auch Marvin Pieringer strahlte am Samstagnachmittag wenig Torgefahr aus. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Bezeichnend für die aktuelle Situation im Heidenheimer Offensivspiel war, dass mit Omar Traoré, der in der 54. Minute per Distanzschuss den Pfosten traf, ein Außenverteidiger die größte Torgefahr ausstrahlte.

Die Nachfolgersuche für Tim Kleindienst bleibt ergebnislos

Aktuell schaffe es der FCH nicht, in den wichtigen Momenten die Qualität zu haben, um sich offensiv zu belohnen, bewertete Patrick Mainka die sich hinziehende Sturmmisere. Der bitteren Momentaufnahme steht in der Bundesliga eine Erfolgsgeschichte gegenüber, die für Heidenheimer Fans besonders schmerzhaft ist. Der Torjäger aus der Vorsaison trifft und das sogar noch häufiger. Tim Kleindienst erzielte am Samstagabend bereits sein 13. Tor für Borussia Mönchengladbach.

13 Tore für Borussia Mönchengladbach: Noch wurde beim FCH kein Nachfolger für Tim Kleindienst gefunden. Foto: Eibner-Pressefoto/Gabriel Boia

Die schwierige Suche nach einer Nachfolge des Nationalstürmers hat bislang (noch) keine funktionierende Lösung hervorgebracht. Der logische Ansatz, die entstandene Lücke nicht mit einem Spieler zu füllen, sondern die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, ist nicht aufgegangen. Der vermeintliche Nachfolger, Mikkel Kaufmann, hat den Verein nach sechs Monaten ohne Torerfolg schon wieder verlassen. Die formschwachen Maximilian Breunig, der seit dem dritten Spieltag ohne Treffer ist, und Stefan Schimmer (null Tore) standen in Freiburg nicht einmal im Kader.

Nur ein Punkt nach Rückstand für den 1. FC Heidenheim

Die Torlosigkeit war am Samstag und auch in den Wochen zuvor nicht nur den Stürmern anzukreiden, auch beim Erspielen von Torchancen stotterte der Motor. „Wir haben viel um den Sechzehner gespielt, ohne den Punch und Druck zu entwickeln“, sagte Patrick Mainka. Dass der vor allem in der zweiten Halbzeit betriebene Aufwand nicht belohnt wurde, sei „ernüchternd“, so der Kapitän.

Wie wichtig es für den FCH ist, selbst Tore und vor allem das erste zu schießen, zeigt eine Statistik deutlich. Wenn der FCH in der Bundesliga in Führung ging, gab es nur zweimal eine Niederlage, viermal gewann die Schmidt-Elf und das sogar ohne Gegentor. Gerieten die Heidenheimer in Rückstand – und das passierte bereits 14-mal –, sprang nur ein Punktgewinn beim 3:3 in Bremen heraus.

Wann platzt der Knoten bei Budu Zivzivadze?

Um einen Führungstreffer zu erzielen, muss der FCH aber schleunigst aus seinem Sturmtief kommen. Frank Schmidt hoffte dabei bereits vor der Partie in Freiburg auf den Effekt eines Erfolgserlebnisses bei Neuzugang Budu Zivzivadze. „Manchmal muss der Knoten platzen, das erste Tor muss her“, sagte er, „dann trifft ein Stürmer vielleicht gleich doppelt.“

Auch Patrick Mainka suchte nach jedem Rettungsanker in der aktuellen Situation. Ein möglicher: Ein positiver Auftritt auf internationaler Bühne im Playoff-Hinspiel der Conference League am Donnerstag, 13. Februar, ab 21 Uhr beim FC Kopenhagen. „Es kann ein Segen sein“, so der FCH-Kapitän, „über so ein Spiel können wir das Selbstbewusstsein und den Glauben kreieren, um dann am Sonntag gegen Mainz Punkte zu holen.“