Simon und Samuel Gühring

Familienbande bei Heidenheims Baseballern: Vater und Sohn spielen für die Heideköpfe

Lange Zeit war es nur eine vage Idee und vielleicht auch nicht ganz ernst gemeint, aber nun ist es wirklich passiert: Heidenheims Baseball-Legende Simon Gühring und sein Sohn Samuel standen in einem Spiel der Heideköpfe, die am Wochenende in ihre 25. Erstligasaison starten, gemeinsam auf dem Feld.

Es war zwar „nur“ ein Vorbereitungsspiel – ein 8:1-Sieg über die Hard Bulls aus Österreich – aber trotzdem ein ganz besonderer Moment für Vater und Sohn: „Ich habe ja immer gesagt, dass ich versuchen will, so lange zu spielen, bis ich mit Samuel auf dem Platz stehen kann, aber ob der Körper da mitmacht, weißt du ja nicht“, erzählt Simon Gühring.

Hit und Homerun für die Gührings

Und weil es so schön war, schlug der 41-Jährige in dieser Partie gleich einen Homerun und seinem 14-jährigen Nachwuchs gelang zwei Schlagleute später beim ersten Versuch sofort ein Hit. „Mein Papa war schon immer mein Vorbild. Ich habe schon als kleiner Junge immer meinem Papa beim Spielen zugeschaut und gehofft, irgendwann mal mit ihm zusammen spielen zu können. Dass das geklappt hat, war natürlich eine sehr schöne Erfahrung und ich hoffe, dass wir noch öfter mal zusammen spielen können“, kommentiert Samuel Gühring den ersten gemeinsamen Auftritt.

Die angestammte Position seines Vaters war viele Jahre die des Catchers. Hinter der Platte agierte der Heidenheimer, der mit über 1000 Hits auch Rekordmann der Bundesliga ist, rund zwei Jahrzehnte erfolgreich für die Heideköpfe und in der Nationalmannschaft. Samuel ist ebenfalls Catcher und sein Vater bescheinigt ihm mehr als nur eine große Portion Talent.

Simon Gühring: Er ist schon weiter als ich es war

„Er hat auf jeden Fall das Zeug, ein guter Baseballer zu werden. Er strahlt bereits viel Ruhe aus, ist schon weiter, als ich es in diesem Alter war“, sagt Simon Gühring, der seine Karriere noch zu einer Zeit startete, als Baseball in Deutschland eher in den Kinderschuhen steckte. „Ich habe meine ersten erfahrenen Trainer etwa mit 17 Jahren gesehen, das ist bei den Jungs heute ganz anders“, berichtet der Heidenheimer Routinier.

Sein Sohn ist nicht das einzige große Talent bei den Heideköpfen, Spieler wie Samuel Redle, Noah Kavac, Luis Mayer oder Emil Hirschberger sind ebenfalls auf dem Sprung. Letzterer ist der Sohn von Jugendtrainer Hannes Hirschberger, im zweiten Test gegen Hard (15:1-Sieg) standen dann die drei Redle-Brüder Kilian, Samuel und Elias gleichzeitig auf dem Feld. Familienbande wird bei den HSB-Baseballern also großgeschrieben.

In den Testspielen lief es schon ganz gut für die Heidenheim Heideköpfe. Susanne Liedtke

Wie intensiv die Ausbildung heutzutage ist, zeigt der Terminplan von Samuel Gühring. Nach den Testspielen war er als einer von fünf jungen Spielern der Heideköpfe im Trainingslager in Italien dabei und gestern ging es für den jungen Spieler, der Ende des Monats 15 wird, dann schon in die Dominikanische Republik. Dort wird er 25 Tage lang in der Baseball-Akademie trainieren und mit dem deutschen Nationalteam Spiele bestreiten.

Nächste Station Karibik

Das Fernziel dieser Talente ist es in den meisten Fällen, in den USA professionell Baseball zu spielen. „Im Trainingslager mit dabei zu sein und von den erfahrenen Spielern zu lernen, war super. Alle haben uns junge Spieler sehr gut aufgenommen und uns geholfen. Mein Ziel ist es, im Baseball so weit wie möglich zu kommen. Deshalb will ich irgendwann mal in Amerika spielen – ob im College oder im Profi-Baseball muss man schauen. Aber bis dahin möchte ich natürlich in Deutschland meine Erfahrung sammeln und den Heideköpfen helfen“, sagt Samuel Gühring.

Mit ihm und seinen jungen Kollegen soll bei den Heideköpfen in den nächsten Jahren ein Generationswechsel eingeleitet werden. „Wir haben schon einige – um es mal freundlich zu sagen – sehr erfahrene Spieler in der Mannschaft, da muss schon ein Umbruch kommen“, sagt Simon Gühring, der mit seinen 41 Jahren in dieser Saison nochmals angreift. „Ich will es versuchen, der Rücken ist noch nicht ganz so, aber am Schlag läuft es schon recht gut“, sagt der Routinier.

Wann kommt der Umbruch?

Die Garde der 15-, 16-Jährigen könne natürlich noch nicht die Verantwortung in der Bundesliga übernehmen. Sie sollen jetzt über die 2. Liga weiter herangeführt werden, den ein oder anderen Einsatz der Talente im Oberhaus kann sich Simon Gühring aber vorstellen.

Zumal dort wieder eine kräftezehrende Saison bevorsteht. Entgegen den Hoffnungen der Heideköpfe hat der Verband wieder eine Dreierrunde in der Regular Season beschlossen, die HSBler dürfen also schon vor den Play-offs je sechsmal gegen Regensburg, Mainz, Stuttgart, München-Haar und Gauting spielen. Dafür gibt es dann kein Viertelfinale mehr. Das bedeutet, es kommen nur jeweils die ersten zwei der Bundesgruppen Nord und Süd in die Endrunde um die Meisterschaft und es wäre fatal, gleich zu Beginn zu viel an Boden zu verlieren.

Klare Ziele für die neue Saison

Topfavorit sind erneut die Regensburg Legionäre, die mit neuem Trainer und weiteren Verstärkungen ins Rennen gehen. Doch wie weit kann es für die Heideköpfe gehen? Die Vorbereitung lief gut, auch im Trainingslager gab es Siege gegen das starke italienische Team aus Codogno.

Trainer Klaus Eckle rechnet jedoch mit einem schwierigen Start, da die Personaldecke noch ziemlich dünn ist. Los geht’s am Wochenende mit zwei Begegnungen gegen die Stuttgart Reds. Die Saisonplanung ist auf den europäischen Wettbewerb ausgerichtet, bis dahin soll die Mannschaft auch in vollständiger Besetzung antreten können.

Im Champions Cup treffen die „Voith Heideköpfe“ zunächst in Heimspielen am 14./15. Juni auf den kroatischen Meister und am 5./6. Juli auf Trebic aus Tschechien. Wenn sie sich dabei durchsetzen, ginge es am 30. Juli gegen den Sieger der anderen Dreiergruppe um die europäische Krone. „Der Fokus liegt tatsächlich ein bisschen mehr auf dem Champions Cup, aber natürlich wollen wir als siebenfacher deutscher Meister auch im Titelrennen wieder möglichst weit kommen“, fasst Gühring die Ziele zusammen.

Auswärts- und Heimspiel gegen Stuttgart

Zum Auftakt der Saison 2025 messen sich die Heidenheim Heideköpfe mit dem württembergischen Rivalen Stuttgart Reds. Dabei wird der Spieltag mal wieder geteilt: Am Samstag trifft man sich in der Landeshauptstadt, am Sonntag (Beginn jeweils 14 Uhr) gibt es dann das erste Heimspiel der Saison im Hellensteinenergie Ballpark.

Stuttgart hat seinen herausragenden amerikanischen Shortstop Austin Bull – bester Schlagmann der Bundesliga in 2024 – gehalten, dazu einen weiteren Feldspieler und einen Pitcher aus den USA geholt, dürfte also gleich ein starker Gegner sein.

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