Handball-Landesliga

„Gibt nichts Geileres“: So stimmen sich die Kapitäne an der Dartscheibe auf das Derby zwischen der SHB und der HSG ein

Vor dem Landesliga-Derby zwischen der SG Herbrechtingen/Bolheim und der HSG Oberkochen/Königsbronn an diesem Samstag, 29. März, werfen sich die Kapitäne beider Teams schon einmal warm. An der Dartscheibe setzen René Kraft und Lukas Eckardt die ersten Treffer und erzählen, welchen besonderen Reiz Derbys für sie haben.

Gut gezielt, ein ordentlicher Armzug und rein das Ding: Die Dartscheibe ist zwar etwas kleiner als das Handballtor, das Prinzip ist aber letztlich dasselbe. Treffen muss man. „Mal schauen, ob das klappt, das Tor treffe ich oft genug nicht“, sagt SHB-Kapitän René Kraft und visiert die 20 an. Und zack, landet der Pfeil im richtigen Feld. „Wenn ich heute die 180 werfe, dann raste ich aus“, sagt Lukas Eckardt, der bei der HSG Oberkochen/Königsbronn das Kapitänsamt innehat. „Hab ich bisher noch nie geschafft“, verrät er und gibt die Frage an Kraft weiter: „Du?“ Die Antwort wird von einem Lachen und einem Kopfschütteln begleitet. „Ich auch nicht.“

Wenn ich heute die 180 werfe, dann raste ich aus.

HSG-Kapitän Lukas Eckardt

Im Heidenheimer Pressehaus werfen sich die beiden schon einmal für das Landesliga-Derby an diesem Samstag, 29. März, ein und verraten, wie die Stimmung bei den Konkurrenten ist. Ganz ohne Wettbewerb ging es dann aber doch nicht, die Punkte und der Sieg wurden mit jeweils 15 Würfen ausgespielt.

Schon in der Jugend trafen René Kraft und Lukas Eckardt aufeinander

Anders als am Samstagabend ab 19.30 Uhr in der Bibrishalle, wo es auf dem Handballparkett zur Sache gehen wird, ist die Stimmung an der Scheibe entspannt, ein Witzchen hier, ein lockerer Spruch da. „So sind wir Handballer eben, in den 60 Minuten im Spiel sind wir fokussiert und es kann auch mal aggressiver werden, aber danach gibt man sich die Hand und trinkt ein Bierchen zusammen“, sagt Eckardt, der als Qualitätsingenieur in Heidenheim arbeitet.

Beim Sieg der HSG: Im Hinspiel sahen sich Lukas Eckardt (im Wurf) und René Kraft (links, rotes Trikot) nach vielen Jahren wieder auf dem Handballfeld.

Vielleicht haben wir uns bei unserem ersten Minispieltag getroffen.

SHB-Kapitän René Kraft spekuliert über sein erste Spiel gegen Lukas Eckardt

Zudem treffen sich Kraft und Eckardt nicht zum ersten Mal in einer Sporthalle, die beiden Kreisläufer haben schon mit Handbällen um sich geworfen, seitdem sie denken können. Nahezu zeitgleich haben sie im Alter von vier Jahren mit ihrem Herzenssport begonnen, Lukas Eckardt in Königsbronn und René Kraft in Herbrechtingen.

Eckardt wirft, Kraft schreibt: Am Ende hatte der HSG-Kapitän im Duell an der Scheibe die Nase vorn. Rudi Penk

In den Jugendmannschaften gab es einige sportliche Duelle. Wann das erste war? Erinnern können sich die beiden daran nicht. „Vielleicht haben wir uns bei unserem ersten Minispieltag getroffen“, mutmaßt Kraft.

Zehnjährige Derbypause zwischen der SHB und der HSG

Vor dem Hinspiel, das der Aufsteiger aus Königsbronn und Oberkochen mit 37:33 gewann, war die Paarung mehr als zehn Jahre nicht mehr auf einem Spielplan aufgetaucht. In der Saison 2013/14 spielten beide Vereine zuletzt gemeinsam in der Landesliga, ehe die HSG abstieg und in der Bezirksliga spielte.

180! Hat René Kraft wirklich dreimal in die Dreifach-20 getroffen? Rudi Penk

Schon damals ging es zwischen den heutigen Kapitänen, die damals noch Frischlinge bei den Aktiven waren, und ihren Teams eng zu. Anfang Februar 2015 bejubelte die SHB einen 21:19-Auswärtssieg.

Der Auswärtssieg in Gerhausen war noch geiler, aber danach kommt schon der Derbysieg.

HSG-Kapitän Lukas Eckardt

Ein deutliches Ergebnis erwartet am Samstagabend keiner der beiden. Trotz des Sieges der HSG im Hinspiel kristallisiert sich kein Favorit heraus. Eine kleine Rechnung hat die SHB mit den Gästen aber noch zu begleichen. „Es war mit die erste Niederlage in der Saison, das tat schon weh“, blickt René Kraft zurück. Deutlich besser sind die Erinnerungen bei Lukas Eckardt.

„Der Auswärtssieg in Gerhausen war noch geiler, aber danach kommt schon der Derbysieg.“ Die Bedeutung des Duells beschränkt er nicht nur auf die beiden Vereine. Ein derartiges Derby sei eine gute Werbung für den Handballsport im Landkreis Heidenheim, so der 29-Jährige. Und für die Spieler und Zuschauer gibt es laut René Kraft ohnehin „nichts Geileres“.

Hat der Derbysieger noch Aufstiegschancen?

Zwar bringt ein Derbysieg auch nur zwei Punkte, in der Tabelle dürften diese aber richtungsweisend sein – für beide Teams. „Ich bin froh, dass wir die Weichen für den Klassenerhalt früh gestellt haben“, sagt Kraft, der mit der SHB (5./18:12 Punkte) im Fall eines Sieges mit der HSG (3./20:10) gleichziehen würde. Dann könnte auch der Aufstieg, der nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie in weite Ferne gerückt war, wieder ein Thema werden. Sollte die HSG bis zum letzten Spieltag um einen Platz in der Verbandsliga mitspielen, wäre das die „Kirsche auf der Torte“, sagt Lukas Eckardt.

Auf dem Spielfeld wird es am Samstag in der Bibrishalle zur Sache gehen. René und Lukas Eckardt haben sich aber schon auf ein Bier nach dem Spielende verabredet. Rudi Penk

Einen Titel hat Eckardt schon sicher: Im Duell an der Scheibe sammelte er 249 Punkte und damit 72 mehr als René Kraft (187). Der Preis für den kleinen Sieg vor dem Derby: Das erste Bier nach den umkämpften 60 Minuten in der Bibrishalle geht auf den Kapitän der Hausherren.

Das Karriereende ist noch kein Thema

Das Derby am Samstagabend wird wohl nicht das letzte sportliche Aufeinandertreffen von René Kraft und Lukas Eckardt sein. Zwar kam der Gedanke über ein Ende der Handballkarriere bei beiden schon einmal auf, ein aktuelles Thema ist es derzeit aber nicht. „Ich habe für die nächste Saison schon zugesagt“, verrät Kraft, der im Marketing-Bereich arbeitet. „Es wäre ein komisches Gefühl, in die Halle zukommen und nicht zuspielen, obwohl ich noch fit bin“, sagt der 28-Jährige. Eine schwere Knieverletzung vor der Corona-Pause brachte Lukas Eckardt kurzzeitig über seine sportliche Zukunft ins Grübeln. „Ich hatte seither keine gravierenden Verletzungen mehr und es ist definitiv zu früh, jetzt schon aufzuhören“, sagt der HSG-Kapitän. Und für die besonderen Spiele – wie das Derby am Samstag – beißen beide auch in Zukunft gerne auf die Zähne.

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