Die drei Mitglieder des Kanuclubs Heidenheim begaben sich vergangenen Sommer auf eine Expedition vor der Küste Alaskas. Drei Wochen trotzten sie hoch oben im Norden des amerikanischen Kontinents den Gezeiten, dem Wetter und vielen weiteren Überraschungen der rauen Natur fernab der Zivilisation. Laila Weiland, Alex Feiler und José Campos Souza hatten einen gemeinsamen Antrieb. Sie waren unterwegs auf der Fährte der Buckelwale. Die kommen auf ihrer Wanderung durch die Inside-Passage an der Pazifikküste vor Kanada und Alaska. Dieser Küstenabschnitt besteht aus über 1000 kleinen vorgelagerten Inseln. Hier gibt es viel Natur und wenige Siedlungen.
Wir haben atemberaubende Aufnahmen von einer unvorstellbaren Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren gemacht.
Alex Feiler, Heidenheimer Kajakfahrer
Jeder Tag war entbehrungsreich
550 Kilometer paddelten die drei Heidenheimer Kanuten von Ketchikan bis Juneau. Jeder Tag war dabei entbehrungsreich: Zum Beispiel musste das Camp immer aufs neue mühsam gegen Braun- und Schwarzbären gesichert werden. Das war auch nötig. Gleich nach der ersten Nacht am ersten Schlafplatz bekamen die drei den ersten Schwarzbären zu Gesicht. „Da mussten wir erstmal beobachten. Das hat unseren Zeitplan von Anfang an verschoben“, lacht Feiler.

Dieser Preis muss gezahlt werden, um die Tiere vor die Kameralinse zu bekommen. Und das war eines der Ziele der Unternehmung. Mit in den Kajaks war eine ganze Film- und Fotoausrüstung. Voll beladen mit Equipment und Verpflegung wogen die Boote bis zu 80 Kilogramm. Dieses Gewicht musste jeden Tag über schroffes, von der Ebbe freigelegtes Ufergestein getragen werden. Doch das Resultat rechtfertigte den Aufwand laut Feiler: „Wir haben atemberaubende Aufnahmen von einer unvorstellbaren Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren gemacht.“
Dieses Verhalten der Wale ist unübersehbar. Wir, in unseren kleinen Kajaks, konnten diese Körperakrobatik wie ein Geschenk der Wale bewundern
Alex Feiler, Heidenheimer Kajakfahrer
Der ersehnte Blick auf die Wale
Letzten Endes gelangen sogar die ersehnten Walaufnahmen aus dem Kajak, nachdem lange nur fernes Fauchen und das Krachen der großen Körper auf die Wasseroberfläche zu hören gewesen sei. Die Wale schrauben ihre mehrere Tonnen Gewicht nämlich regelmäßig über der Wasseroberfläche in die Höhe: „Dieses Verhalten der Wale ist unübersehbar. Wir, in unseren kleinen Kajaks, konnten diese Körperakrobatik wie ein Geschenk der Wale bewundern“, erinnert sich Feiler.

Für ihn ging ein Traum in Erfüllung, denn „im Fokus stand das Aufspüren der liebenswerten und gutmütigen Giganten der Meere.“ Die Expedition durch die Inside-Passage plante der 57-Jährige schon seit 2018. Nach Jahren der Pandemie und anderen Hindernissen wurde die Reise 2024 mit dem perfekten Team endlich Wirklichkeit. „Untereinander kam zu keinem Zeitpunkt schlechte Stimmung auf. Das ist sehr viel wert. Wenn jemand schlecht drauf war, hat er sich eben eine Stunde früher hingelegt“, freut sich Feiler über die Teamdynamik.
Drei Jahre Vorbereitungszeit
Gemeinsam bereiteten sich die drei schon seit drei Jahren vor. Dazu gehörte Ausdauertraining, aber auch das Durchspielen von Ernstfällen: Auf dem Bodensee übten die drei jeden Handgriff, um eine gekenterte Person wieder zurück in ihr Kajak zu bringen. Vor Ort sollte klar sein: Wer ist für was verantwortlich? Die Logistik war ins Detail durchgeplant. Unverzichtbares Equipment wurde bereits vorher gekauft und eingeflogen: „Wir hatten zu dritt sieben Koffer. Im Endeffekt hätten wir aber alles auch vor Ort bekommen“, sagt Feiler und schwärmt von den Outdoorläden Alaskas.
Wir hatten zu dritt sieben Koffer. Im Endeffekt hätten wir aber alles auch vor Ort bekommen.
Alex Feiler, Kajakfahrer schwärmt von Outdoorläden in Alaska

Nachdem es dann losgegangen war, passierten die Heidenheimer jeden Tag riesige Berge, endlose Küstenwälder und Fjorde des Tongass National Forest. Auf ihrer Tour kamen sie vorbei an den letzten maritimen Gletschern des nordamerikanischen Kontinents – mit immer kleiner werdenden Eisbergen. Der Weg der drei erstreckte sich entlang der nördlichen Inside-Passage im sogenannten Alaska-Panhandle. Die vielen Inseln ermöglichten es, mit dem Kajak auf dem offenen Meer unterwegs zu sein, und gleichzeitig vor der größten Kraft des Ozeans geschützt zu sein. Der einzige Nachteil: im Verlauf der Gezeiten entstanden in den Kanälen zwischen den Inseln starke Strömungen.
Paddeln, essen, schlafen, paddeln, essen, schlafen. Das war der alles bestimmende Rhythmus.
Alex Feiler, Heidenheimer Kajakfahrer
Im Rhythmus der Gezeiten
Während der zweiten Hälfte der Expedition wurde die Zeitplanung spannend. Pausentage konnten keine mehr eingelegt werden. Im Rhythmus der Gezeiten musste jede Stunde ausgenutzt werden, um noch rechtzeitig nach Juneau zu kommen: „Paddeln, essen, schlafen, paddeln, essen, schlafen. Das war der alles bestimmende Rhythmus“, berichtet Feiler. Was den Verzug ausgelöst hatte? Das Team hatte von Beginn an einem gesunden Schlaf hohe Priorität eingeräumt: „Es war uns wichtig, ausgeschlafen zu sein“, sagt Feiler, und erklärt so, weshalb er, Campos und Weiland manchmal viel zu tun hatten, ihre Kajaks der ablaufenden Ebbe hinterherzutragen.
Die Expedition als Spielfilm
Für ihre Kajakexpedition im Nordpazifik wurden Laila Weiland, Alex Feiler und José Souza Campos bei der Sportlehrehrung der Stadt Heidenheim mit einer Sonderehrung im Bereich Kanusport versehen. Wen die Geschichte der drei interessiert, der kann sich die Premiere des fertig geschnittenen Films bald in Heidenheim ansehen. Feiler hat alle Erlebnisse auf Kamera festgehalten und auf einem Streifen in spielfilmlänge zusammengeschnitten. Außerdem sind die schönen und herausfordernden Momente der Reise auf Instagram auf dem Profil „paddle_ventures“ dokumentiert.